Am 30. Januar jährt sich die Ermordung Mohandas Karamchand Gandhis zum 75. Mal. Gandhi, besser bekannt als „Mahatma“ („Große Seele“) war einer der politischen Anführer der Unabhängigkeitsbewegung Indiens von der britischen Kolonialherrschaft 1947. Fast ein halbes Jahr nach der Unabhängigkeit Indiens, wurde er im Alter von 78 Jahren von einem Hindu-Nationalisten ermordet.

Für das Prinzip der Gewaltlosigkeit wird Gandhi noch heute weltweit verehrt – aber mittlerweile auch für Manches in Frage gestellt. 

War Gandhi mit Adolf Hitler befreundet?

Behauptung: Mahatma Gandhi und Adolf Hitler sollen befreundet gewesen sein, so ein Mythos, der immer wieder aufploppt. Als Beweis dafür sollen von Gandhi an Hitler adressierte Briefe dienen, die mit „Dear friend“ also „Lieber Freund“ beginnen und „Your sincere friend“ („Ihr aufrichtiger Freund“) enden.

DW Faktencheck: Falsch. 

Dass Gandhi Hitler geschrieben hat, ist richtig – einen Brief am 23. Juli 1939 und einen am 24. Dezember 1940. Dies ist vielfach dokumentiert, auch in Gandhis Schriften selbst (Band 76, S. 156 und Band 79, S.453). Doch in den Schreiben wird an keiner Stelle ersichtlich, dass die beiden irgendeine Art von Freundschaft verband. Vielmehr beschwört Gandhi in seinem ersten Brief Hitler, keinen Krieg anzuzetteln, und in seinem zweiten Brief, als der Zweite Weltkrieg schon begonnen hat, sich um Frieden zu bemühen. Die Schreiben bekam der Diktator allerdings nie zu Gesicht – die Briten verhinderten die Zustellung nach übereinstimmenden Quellen, unter anderem dem indischen Historiker Vinay Lal und der US-amerikanischen Politologin Kelly Rae Kraemer.

Die verwendete Anrede „Lieber Freund“ erklärt Lal, der schon viel zu Gandhi geforscht hat, im Gespräch mit der DW folgendermaßen: Gandhi sei der Ansicht gewesen, dass Menschen zwar monströse Taten begehen könnten, aber an sich keine Monster seien – nicht einmal Hitler. „Es gibt also einen Grund, warum Gandhi so an Hitler schreibt, wie er es…