Am Ende des Spiels wusste Nico Schlotterbeck nicht, ob er jubeln oder traurig sein sollte. Eine knappe Stunde zuvor hatte er sich noch mit angespanntem Bizeps von seinen Mitspielern feiern lassen, kurze Zeit später war er nach einem individuellen Fehler jedoch wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Zwar gewann sein Verein Borussia Dortmund am Ende mit 4:3 knapp gegen den Abstiegsbedrohten FC Augsburg, kassierte jedoch erneut drei Gegentore. Es war ein schon fast typisches Schlotterbeck-Spiel. Am besten beschrieb der Blondschopf seine Leistung wohl selbst: „Qualität vorne und keine Qualität hinten.“ Nicht das beste Zeugnis für einen Spieler, dessen Hauptaufgabe als Innenverteidiger das Verhindern von Toren ist.

Ein schmaler Grat

Das 23 Jahre alte Abwehr-Talent, das vor der Saison für rund 25 Millionen Euro von Freiburg nach Dortmund gewechselt ist, fiel zuletzt immer öfter durch Unsicherheiten auf. Schlotterbeck spielt einerseits mit viel Selbstbewusstsein, bewundernswerter Leidenschaft und großem Kampf, andererseits aber auch mit viel Risiko und macht dabei (immer wieder) entscheidende Fehler. Seine Diagonalpässe sind gewagt, finden sie aber den Weg zu den Außenstürmern, können sie ein probates Mittel für mehr Torgefahr sein. Der Grat, auf dem Schlotterbeck wandert, ist äußerst schmal. Sinnbildlich dafür steht die Schlotterbeck-Bilanz gegen Augsburg: Hinten ein kapitaler Ballverlust, der zum zwischenzeitlichen Ausgleich führte. Vorne ein Treffer zur erneuten Führung. Hinten ein Fehlpass, der wieder den Ausgleich bedeutete. Vorne ein langer Ball, der den Siegtreffer einleitete.

Schlotterbeck (li.), Süle (mi.) und Hummels (re.) konnten der BVB-Verteidigung bisher keine Stabilität verleihen

„Das Spiel allgemein zu erklären, ist sehr schwer“, sagte Schlotterbeck nach der Partie. Ebenso schwer zu erklären sind seine extrem schwankenden Leistungen seit seinem Wechsel aus dem Breisgau in den Ruhrpott. Nicht wenige Experten hatten gemutmaßt, dass…