Wenn ein angehender Künstler schon früh von der Kunsthochschule fliegt, kann das entweder das Aus für ihn bedeuten – oder aber der Startschuss zu einer Weltkarriere sein. Im Fall von Georg Baselitz traf Letzteres zu. 1956 war er zum Studium aus dem sächsischen Deutschbaselitz nach Ostberlin gezogen, doch nach zwei Semestern an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst war Schluss, man attestierte ihm „gesellschaftspolitische Unreife“.

Georg Baselitz stammte aus der ehemaligen DDR und hat dann im Westen Karriere gemacht

Der 18-Jährige, der damals noch Hans-Georg Kern hieß, hatte sich in den Semesterferien geweigert, zur solidarischen Mitarbeit in ein Industriekombinat nach Rostock zu fahren. Er malte lieber Bilder im Stile Picassos. „Durch Picassos Zugehörigkeit zur Kommunistischen Parteigab es dort Literatur über ihn. Wegen Picasso bin ich dann ja aus der DDR geflogen. Die Kulturbürokraten haben ihn irgendwann zum bürgerlichen Dekadenten erklärt“, so Baselitz in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung im August letzten Jahres.

Da die Mauer noch nicht gebaut war, zog er von Ost- nach Westberlin, wo er auf die zu jener Zeit in der deutschen Kunst omnipräsente Abstraktion traf. Statt sich einzureihen, waren Baselitz‘ Figuren von einem expressiven Realismus geprägt – ein konsequentes Ausbrechen aus dem künstlerischen Status quo. 1961 nahm er seinen Künstlernamen an und erregte bald Aufsehen mit Bildern, die nicht in die bieder-gesellschaftlichen Konventionen passen wollten. „Ich war ein vollständig verquerer, verbohrter, renitenter Typ, der alle ablehnte“, sagte Baselitz einst über jene Zeit.

Auf der Biennale in Venedig 2015 zeigte Baselitz drei Werke mit Figuren, die kopfüber stehen

Provokation: Baselitz‘ Markenzeichen

Zwei seiner Bilder, „Der nackte Mann“ und „Die große Nacht im Eimer“, sorgten 1963 für einen Eklat und wurden beschlagnahmt. Baselitz und zwei Berliner Galeristen mussten sich wegen der Zurschaustellung von Pornografie…