Dass Sergej Lawrow ein Freund deutlicher Worte ist, hat er schon oft unter Beweis gestellt. Dem westlichen Verteidigungsbündnis NATO warf der russische Außenminister einst vor, einen „Kreuzzug zu führen, um Russland zu zerstören und die Welt zu spalten“.

Auf seiner jüngsten Pressekonferenz am Mittwochvormittag in Moskau wurde dagegen kräftig in Richtung Washington ausgeteilt. So seien letztlich die USA für den Krieg in der Ukraine verantwortlich. Was dort passiere, sei das Ergebnis amerikanischer Vorbereitungen für einen hybriden Krieg der USA gegen Russland. Die Krise in der Ukraine habe begonnen, lange bevor Moskau im Februar in das Nachbarland einmarschierte.

Das jüngste Vorgehen Washingtons verglich Lawrow in diesem Zusammenhang mit den Taten von Adolf Hitler und Napoleon Bonaparte. Die USA hätten Europa ebenfalls unterjocht, um Krieg gegen Moskau zu führen. Mit Blick auf die russischstämmige Bevölkerung in der Ukraine sagte der Minister, deren „Demütigung“ sei inakzeptabel.

Verhärtete Fronten

Momentan liegen laut Lawrow keine ernstzunehmenden Friedensvorschläge für eine Beilegung des Kriegs auf dem Tisch. Die Vorstellungen des ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj seien indiskutabel. Die Führung in Kiew fordert unter anderem den vollständigen Abzug russischer Truppen von ukrainischem Gebiet und Reparationszahlungen für die vom russischen Militär angerichteten Zerstörungen.

Russland hat mehrfach deutlich gemacht, dass ein Friedensvertrag aus Sicht Moskaus nur geschlossen werden kann, wenn die Ukraine die Annexionen der Schwarzmeer-Halbinsel Krim und der Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja anerkennt. Kiew lehnt dies kategorisch ab.

djo/se (dpa, rtr)