Von Protesten war im Kalinga Hockey Stadium in Bhubaneswar nichts zu hören. Im Gegenteil: Dass Kapitän Mats Grambusch beim ersten Spiel der deutschen Hockey-Nationalmannschaft bei der Hockey-WM gegen Japan (3:0) die Regenbogenbinde statt einer normalen Kapitänsbinde am Arm trug, sorgte keineswegs für Unmut. Das bunte Zeichen für die weltweite LGBTQ+-Community wurde anstandslos akzeptiert.

Von den Zuschauern vor Ort, aber auch bereits zuvor vom Hockey-Weltverband (IHF), bei dem das Tragen der bunten Armbinde vom Deutschen Hockey-Bund (DHB) im Vorfeld angemeldet wurde. „Ich glaube schon, dass man über den Sport Werte in die Gesellschaft transportieren kann. Das hätten wir auch gemacht, wenn die WM in den Niederlanden, Deutschland oder Katar stattfinden würde“, sagte Grambusch der DW im Vorfeld. „Wir stehen für diese Werte und wollen das bei der WM auch verkörpern. Wir sind davon überzeugt.“

Symbol der Hoffnung und der Solidarität

Von den Problemen, die es bei der im vergangenen Dezember beendeten Fußball-WM in Katar gegeben hat, als der Welt-Fußball-Verband FIFA das Tragen der „One Love“-Binde strikt untersagte, wohl auch, weil sich der Gastgeber dadurch unangemessen behandelt gefühlt hätte, ist bei den Hockeyspielern und ihrer WM in Indien keine Rede. Vielmehr trifft das Ansinnen des DHB-Teams auch in der Community vor Ort auf positive Resonanz.

„In der Sichtbarkeit liegt sicherlich eine große Kraft, vor allem wenn ein führender Sportler sich offen für die Integration von LGBTQ+ einsetzt“, sagt LGBTQ+-Aktivist Anish Gawande der DW. „Eine solche ‚Botschaft der Toleranz‘ sollte jedoch nicht als radikaler Akt gesehen werden, der der Vorstellung von einer „stimmlosen‘ LGBTQ+-Gemeinschaft in Indien eine Stimme geben soll. Ich würde dies eher als ein Symbol für eine breitere Akzeptanz von queeren und transsexuellen Menschen im Sport insgesamt sehen“, so Gawande. 

Die Akzeptanz der queeren Bevölkerungsgruppe ist in Indien in den vergangenen Jahren…