Nach einem richterlichen Veto für ein Referendum zur schottischen Unabhängigkeit zeichnet sich neuer Streit zwischen London und Edinburgh ab: Die britische Regierung hat die Blockade eines bereits beschlossenen Gesetzes in Schottland angekündigt, das die Anpassung der Geschlechteridentität vor dem Staat erleichtern soll. Der für Schottland zuständige Minister Alister Jack sagte, er befürchte, dass dadurch die für ganz Großbritannien geltende Gesetzgebung zur Gleichberechtigung der Geschlechter beeinträchtigt werden könne.

Keine Gutachten mehr, kürzere Wartezeiten

Das umstrittene Gesetz war am 22. Dezember nach einer lebhaften Debatte vom schottischen Parlament verabschiedet worden – für sein Inkrafttreten steht noch eine Unterschrift von König Charles III. aus. Im Kern erleichtert es Betroffenen die Anpassung ihres Geschlechts in offiziellen Dokumenten. So wird kein medizinisches und psychiatrisches Gutachten mehr für den Schritt verlangt. Volljährige sollen nach einer geschlechtsanpassenden Operation nur noch drei Monate statt drei Jahre auf ein entsprechendes Zertifikat warten müssen. Kritiker monierten vor allem, dass das Gesetz bereits 16- und 17-Jährigen diesen Schritt ermöglicht – wenn auch mit einer sechsmonatigen Wartezeit.

Auch in Schottland gibt es Gegner der neuen Regelung – der Mann (l.) ist Mitglied der schottischen Familienpartei

Nach „gründlicher Prüfung“ werde er auf eine Regelung zurückgreifen, mit der er verhindern könne, dass der Gesetzestext die Zustimmung des Königs erhalte und somit in Kraft treten könne, erklärte Jack. Er habe sich die Entscheidung „nicht leicht gemacht“, fügte er hinzu. Transmenschen verdienten „Respekt, Unterstützung und Verständnis“, sagte er. Seine Entscheidung basiere auf den rechtlichen Folgen des Gesetzes.

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