Ein Jahr nach der Veröffentlichung des Aufsehen erregenden Münchner Missbrauchsgutachtens will Erzbischof Marx vor allem zeigen: Wir haben verstanden, wir haben aus Fehlern gelernt.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx will zeigen: Er hat seine Hausaufgaben gemacht. Ein Jahr nach der Vorstellung des Gutachtens über Fälle von sexueller Gewalt im Erzbistum München und Freising, das die katholische Kirche erschütterte, präsentiert der Erzbischof seine Diözese als Vorzeigeprojekt und berichtet, was seither alles geschehen ist.

Sogar die sehr kritische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ spricht von einer „beeindruckenden Bilanz“: Eine Stabsstelle „Seelsorge und Beratung für Betroffene“ wurde eingerichtet, geleitet von einem Priester, der selbst Opfer wurde. Es gibt eine telefonische Anlauf- und Beratungsstelle, Begegnungsveranstaltungen mit Betroffenen – und vor allem noch einmal ein deutliches Schuldeingeständnis.

„Für das damit verbundene Leid werde ich immer in der Verantwortung stehen und bitte darum nochmals um Entschuldigung“, sagt Marx. „Ich kann Geschehenes nicht rückgängig machen, aber jetzt und zukünftig anders handeln. Und das tue ich.“

Dass die Perspektive der Betroffenen anfänglich zu wenig berücksichtigt worden sei, „war unser größtes Defizit. Das müssen wir als Kirche, das muss ich als Erzbischof selbstkritisch einräumen“. Auch ein Jahr nach dem Gutachten sei das Entsetzen über die Fälle groß. „Der Schrecken ist geblieben“, sagt Marx. „Missbrauch ist und bleibt eine Katastrophe.“

Mehr als hundert neue Hinweise

Das vom Bistum bei der Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) in Auftrag gegebene, vor einem Jahr vorgestellte Gutachten geht von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern aus – und von einem weit größeren Dunkelfeld, in das nun aber womöglich…