Nach der Einigung können die beiden Atomkraftwerke Tihange 3 und Doel 4 zehn zusätzliche Jahre am Netz bleiben. Der belgische Regierungschef Alexander De Croo sagte am Montag vor Journalisten, dass „die Arbeiten für die Erweiterung der beiden jüngsten Reaktoren morgen beginnen können“. Der französische AKW-Betreiber Engie erklärte, die „Grundsatzvereinbarung“ stelle „einen wichtigen Schritt dar“ und ebne den Weg für „umfassende Vereinbarungen in den kommenden Monaten“.

Belgiens Premierminister Alexander De Croo (Archiv)

Die Verlängerung sei entscheidend, um die Energieversorgungssicherheit in den nächsten zehn Jahren zu gewährleisten. An dem Vorhaben soll sich nach Angaben von De Croo zur Hälfte der belgische Staat und zur Hälfte der Betreiber Engie beteiligen.

Monatelange Verhandlungen

Beide Seiten hatten seit Monaten hart über die Bedingungen der Verlängerung verhandelt. Die belgischen Behörden und der Energieversorger hatten sich bereits auf die Gründung eines gemeinsamen Betreiberunternehmens geeinigt. Brüssels Zusage, nun auch die Kosten für die Abfallentsorgung zu deckeln, ermöglicht es laut Engie, „sofort mit Umwelt- und technischen Studien“ zu beginnen – eine Voraussetzung für die Genehmigungen durch die belgische Atomaufsichtsbehörde.

Auch das AKW Doel im Hafen von Antwerpen soll zehn zusätzliche Jahre laufen dürfen (Archiv)

Die belgische Regierung hatte bereits im März letzten Jahres beschlossen, dass der nahe der deutschen Grenze gelegene Reaktor Tihange 3 sowie der bei Antwerpen gelegene Meiler Doel 4 bis mindestens Ende 2035 weiterlaufen sollen. Über die Umsetzung wurde noch mit dem Betreiber Engie verhandelt. Ursprünglich war ein Atomausstieg für 2025 vorgesehen.

Bei der Entscheidung spielten der Ukraine-Krieg und dessen Auswirkungen auf Belgien und die Nachbarländer eine Rolle. Ziel ist es laut einer Mitteilung nun, die zwei Meiler nach den für die Verlängerung nötigen Arbeiten im Winter 2026 wieder in Betrieb zu nehmen.