Bisher gab es nur englischsprachige Verfilmungen des Antikriegsromans „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque. Der Regisseur Edward Berger hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine deutsche Interpretation zu wagen – und die hat es in sich. Seit Ende Oktober 2022 läuft sie auf der Streaming-Plattform Netflix.

Einige Kritiker loben die Neuverfilmung als gelungenes Antikriegsdrama, andere bemängeln, dass der Regisseur neue Handlungsstränge dazu erfunden habe und Charaktere sowie entscheidende Szenen weglassen würde. Bei den Golden Globes gilt „Im Westen nichts Neues“ als Favorit in der Kategorie „Bester nicht-englischsprachiger Film“. Auch bei den Oscars, die am 12. März 2023 verliehen werden, steht er hoch im Kurs.

Edward Berger: „Guter Zeitpunkt, einen Film zu machen, der uns daran erinnert, dass es vor 100 Jahren vielleicht gar nicht so anders war.“

Edward Berger: „Film aktueller denn je“

Erich Maria Remarques 1929 erschienener Roman zeichnet das Porträt einer Generation, die von der Schulbank weg euphorisch an die Front zieht und am Ende in der mörderischen Kriegsmaschinerie des Ersten Weltkriegs umkommt.

Für Regisseur Edward Berger ist das Thema heute, 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg genauso aktuell wie damals. In Zeiten wachsenden Populismus‘ und Nationalismus‘ sei es sogar aktueller denn je.

Vor drei Jahren, als Berger mit den Filmarbeiten startete, beunruhigten ihn die politischen Entwicklungen in Europa und der Welt, wie er im DW-Interview erzählt. „Der Brexit im Vereinigten Königreich, eine rechte Regierung in Ungarn, ein Rechtsruck in den USA, Frankreich und Deutschland und aufstrebende Rechtsextremisten in vielen Ländern in Europa – plötzlich wurden Friedensgaranten wie die EU, die uns70 Jahre lang  ein sorgloses Leben bescherte, in Frage gestellt.“

Hassreden von Regierungschefs oder von gewählten Volksvertretern hätte er sich früher nie vorstellen können. „Diese Rhetorik sickert auf die Straße. In der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit…