von Andreas Hoidn-Borchers

07.12.2022, 07:10
5 Min.

Zum Abschluss seines ersten Jahres reist der Kanzler nach Albanien. Sein wichtigstes Ziel: Verbündete finden für seine Pläne, die Welt der Demokratien in Zeiten der globalen Zeitenwende zu retten.

Ich kenn mich nicht mehr aus es ist so wenig klar

Was ich sicher weiß, wird immer weniger

Alle sind erreichbar noch im letzten Loch

Sprechen mit ihrer Wohnung und die antwortet auch noch

In Albanien ist alles beim Alten

In Albanien ist es wie es nie war

In Albanien ist alles wie früher und das ist wunderbar

(Rainald Grebe, Albanien)

Jetzt also auch noch Tirana. Albanien, Land Nummer 36 in 363 Kanzlertagen. EU-Westbalkan-Gipfel. Ein ziemlich großer Bahnhof in dem kleinen Land: 40 Teilnehmer aus der EU, aus den Balkanstaaten, von internationalen Banken. Nichts wirklich besonders Aufregendes zum Abschluss des ersten Jahres im Kanzleramt. Einerseits. Andererseits hat Olaf Scholz die möglichst baldige Aufnahme der sechs Staaten des westlichen Balkans in die EU zur Scholz-Sache gemacht.

Schließlich findet er, dass man Serbien, Nordmazedonien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien und das Kosovo nicht ewig hängen lassen darf, nachdem die EU ihnen eine Mitgliedschaft in Aussicht gestellt hat. Es sei „wichtig, dass neuer Schwung“ in den Beitrittsprozess gekommen sei, was man schon an der Wahl Tiranas als Gipfel-Ort erkennen könne. Denn: Enttäuschte Freunde sind schnell schlechte Freunde. Und: Auch kleine Zeichen erhalten die Freundschaft.

Was aus einem zweiten Grund extrem nötig ist. Der Kanzler ein „gemeinsames strategisches Interesse“, die Balkanstaaten an den Westen zu binden – und Russland damit noch ein Stück…