Ein Pferd, das rechnen kann? Das mussten sie sich anschauen. Und so reisten im September 1904 Tierärzte und Forscher auf den Hof des Lehrers Wilhelm von Osten. Denn der hatte, so wurde es sich im ganzen Land erzählt, seinem Pferd das Rechnen beigebracht. Tatsächlich staunten die Besucher nicht schlecht, als der „Kluge Hans“ Matheaufgaben durch das Klopfen seiner Vorderhufe oder durch Schütteln des Kopfes richtig beantwortete.
Ein Rechengenie war Hans trotzdem nicht, wie der Psychologe Oskar Pfungst einige Zeit später herausfand. Die bemerkenswerte Fähigkeit des Rosses lag woanders – in seiner sozialen Intelligenz. Er konnte an der unbewussten und subtilen Mimik und Gestik der Fragensteller erkennen, wann die richtige Anzahl an Klopfern erreicht war. 
Von da an glaubte erst einmal keiner mehr, dass Pferde die Welt der Zahlen verstehen. Forschungen der vergangenen Jahre zeigen jedoch, dass sie zumindest ein Mengenverständnis besitzen. In Experimenten mit Verhaltensforschern begreifen die Tiere innerhalb weniger Augenblicke, ob vier oder fünf Symbole vor ihnen auf einem Bildschirm zu sehen sind.

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