Früher prägten einzelne Ikonen den Feminismus im Westen: In den USA kannte jedes Mädchen den Namen Gloria Steinem, in Frankreich war Simone de Beauvoir besonders wichtig, in Deutschland sprach jede und jeder über Alice Schwarzer.

Auch wenn ihre Ansichten, etwa dazu, wie sich Deutschland zu Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine positionieren sollte, auch heute noch polarisieren: Die Bedeutung von Alice Schwarzer, die am 3. Dezember ihren 80. Geburtstag feiert, ist in Deutschland gewaltig. Das erkennt auch die jüngere Generation von Feministinnen an.

„Sie war die Chefredakteurin eines der ersten wichtigen feministischen Magazine“, erinnert sich Ciani-Sophia Hoeder, Journalistin, Feministin und Gründerin des afrodeutschen Magazins „RosaMag“. „Sie hat mich politisiert, zum Thema Abtreibungsgesetz, dem Bezug von Körper und Weiblichkeit und wie weibliche Körper sexistisch politisiert werden.“

Meilenstein der Frauenrechte: „Wir haben abgetrieben“

Mit ihrem Kampf gegen das Abtreibungsverbot hat sich Alice Schwarzer in die deutschen Geschichtsbücher eingeschrieben: Dank ihr erschien im deutschen Wochenmagazin „Stern“ am 6. Juni 1971 einer der wichtigsten Artikel in der Geschichte der Bundesrepublik. „Wir haben abgetrieben“ bekannten 374 mutige Frauen in Deutschland – was damals noch unter Strafe stand. Sie forderten, dass Abtreibungen legalisiert werden müssten.

Ciani-Sophia Hoeder prägt den jungen Feminismus in Deutschland mit

Die Initiatorin der Aktion war Alice Schwarzer. „Ich lebte damals in Frankreich, wo ich als freie Korrespondentin arbeitete und in der Pariser Frauenbewegung aktiv war“, erinnert sie sich in einem Artikel, den sie 2011 in ihrer Zeitschrift „Emma“ publizierte. „Doch während in der ganzen westlichen Welt die Frauen auf die Barrikaden gingen, hielten die deutschen Gretchen still.“

Das änderte Schwarzer mit ihrem „Stern“-Artikel. Zum Vorbild nahm sie sich einen Artikel, der bereits im April 1971 im Pariser „Nouvel Observateur“ erschienen…