Knapp 310.000 Euro hat das kleine, unbetitelte Aquarell von Wassily Kandinsky von 1928 erzielt, das am 1.12.2022 im Berliner Auktionshaus Villa Grisebach als „Los 31″ unter den Hammer kam. Das ist weit weniger, als das am selben Abend versteigerte“Selbstbildnis gelb-rosa“ von Max Beckmann, das für 20 Millionen Euro den Besitzer wechselte – und dennoch sorgt der Kandinsky für Aufsehen. 

Denn noch während der Auktion fuhr die Polizei vor dem Auktionshaus vor und verlangte, den Geschäftsführer zu sprechen. Die polnische Botschaft in Berlin behauptete nämlich, das Kunstwerk, das Kandinsky einst dem Kunstsammler Otto Ralfs gewidmet hatte, sei 1984 aus dem Warschauer Nationalmuseum gestohlen worden. Der polnische Kulturminister Piotr Glinski warf Grisebach vor, „sich wie ein Hehler verhalten zu haben“.

Beckmanns Selbstbildnis war, wie auch das Kandinsky-Aquarell, Teil der Auktionen in der Villa Grisebach

Unmittelbar wird also kein Geld für den Kandinsky fließen: Denn, wie das seit fast 30 Jahren tätige Auktionshaus in einer Stellungnahme bekanntgab, folgt nun erst mal eine gerichtliche Klärung: Sie soll ergeben, ob der Bieter, der bei der Auktion den Zuschlag erhielt, auch tatsächlich der neue rechtmäßiger Besitzer des Bildes ist. Bis dahin sei „die weitere Abwicklung dieses Vorgangs durch Grisebach ausgesetzt“, so das Auktionshaus.

Überprüfung von Auktionsgegenständen

Schon am Nachmittag vor der Auktion hatte Grisebach von dem möglichen Diebstahl gehört. Der polnische Konsul in Berlin, Marcin Król, hatte das Auktionhaus kontaktiert und dann einen Tweet abgesetzt. 

Grisebach habe „sofort“ eine „rechtliche Prüfung“ veranlasst, ließ das Auktionshaus in einer Pressemitteilung wissen. Und weiter: „Diese führte zu dem eindeutigen Ergebnis, dass keine rechtlichen Bedenken gegen die Versteigerung bestanden.“ Die Auktion fand daraufhin wie geplant statt. 

Doch schon vor dieser kurzfristigen rechtlichen Klärung, so schildert es Grisebach, sei man…