Wenn Deutschland am Donnerstag (30.11.22) gegen Costa Rica um den Einzug in das WM-Achtelfinale kämpft, wird Sven Kistner etwas tun, was für den eingefleischten Fußball-Fan noch vor Jahren undenkbar schien: der Dauerkarteninhaber des FC Bayern München boykottiert das Spiel, wie auch viele andere Anhänger und Bars in Deutschland. Die Fußball-Weltmeisterschaft in dem Wüstenstaat ist für ihn ein absolutes No-Go.

„Wir als queere Fußballfans haben die Entscheidung, die WM in Katar auszutragen, von Anfang an für eine Schnapsidee gehalten, die vor allem des Geldes wegen getroffen wurde. Auch und besonders vor dem Hintergrund der massiven Menschenrechtsverletzungen in Katar, sei es gegenüber Arbeitnehmern, gegenüber Frauen, aber natürlich auch gegenüber der queeren Community.“

„Die LGBTQ-Fanclubs sind in den deutschen Kurven mittlerweile sehr präsent“ – Sven Kistner

Kistner ist einer derjenigen, der in den letzten 15 Jahren dafür gesorgt hat, dass die LGBTQ-Community in den deutschen Fußballstadien angekommen und längst fester Bestandteil in den Kurven geworden ist. 2006 war er Mitbegründer des ersten schwul-lesbischen Fanclubs des deutschen Rekordmeisters, dem „Queerpass Bayern“ – zu einer Zeit, als homophobe Beschimpfungen noch zur Stadionfolklore gehörten.

„Das ist in den letzten 15 Jahren deutlich weniger geworden. Die Kurven sind in der Regel heute recht gut aufgeklärt, homophobe Vorkommnisse sind mittlerweile eher Einzelfälle. Aber es ist natürlich eine Entwicklung und es wäre auch blauäugig zu sagen, man erwartet jetzt von anderen Ländern, dass das von heute auf morgen passiert, das braucht eine gewisse Zeit.“

Queere Fanclubs in ganz Europa

Sven Kistner engagiert sich auch für Queere Football Fanclubs (QFF), ein Netzwerk, dass mittlerweile über Deutschland hinaus aktiv ist: auch Bradford City LGBT, Roze Regahs aus Den Haag oder die Wankdorff Junxx von Young Boys Bern haben sich der Organisation angeschlossen. Das Ziel: mehr Toleranz für…