Ukraine
Ist Kiews nächstes Ziel die Krim? Putin fürchtet um seine größte Eroberung

Nach Ansicht Putins hat die Krim den Status eines „heiligen Ortes“, dessen völkerrechtswidrige Annexion eine „historische Gerechtigkeit“ wiederhergestellt habe

© Mikhail Metzel / Picture Alliance

Nach der Befreiung von Cherson strotzt die Ukraine vor Selbstbewusstsein und will nun auch die Krim zurückerobern. Für Wladimir Putin wäre ihr Verlust womöglich das Ende. Das macht den Kampf um die Halbinsel so unberechenbar.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei ntv.de.

Für die Ukraine ist die Krim der Ort, wo alles anfing. Dass der Westen die völkerrechtswidrige Annexion der Halbinsel durch Russland 2014 geschehen ließ, hat aus Sicht Kiews den Überfall aufs gesamte Land erst möglich gemacht. Nun, nachdem die Russen selbst aus Cherson vertrieben worden sind, rückt auch die Rückholung der Krim wieder in greifbare Nähe – ob militärisch oder am Verhandlungstisch. Frieden mit Russland könne es nur geben, erklärte Präsidialamtschef Andrij Jermak kürzlich, wenn Moskau die Grenzen von 1991 akzeptiere. „Wir kommen zurück“, kündigte auch der ukrainische Geheimdienstchef Kyrylo Budanov in der Online-Zeitung „Ukrainska Pravda“ an. Und setzte hinzu: „Ja, mit Waffen.“

Was im Angesicht einer Atommacht vermessen klingt, ist mehr als Träumerei. Die Chance ist hoch, dass die Krim zum entscheidenden Schauplatz dieses Krieges werden wird. Nicht nur verbal erhöht Kiew nach zahlreichen militärischen Erfolgen den Druck, auch am Boden drängen ukrainische Streitkräfte immer tiefer vor in die besetzten Regionen nahe der Halbinsel. Die Krim selbst liegt zwar noch außer Reichweite ukrainischer Raketen und Artillerie. Gelingt es aber, die zu Beginn der Invasion von Russland eingenommene Stadt Mariupol zurückzuerobern, wäre die Halbinsel von der derzeit wichtigsten Nachschubroute, dem…