Die Inflation macht 2022 auch vor einem der wichtigsten US-amerikanischen Nationalfeiertage nicht halt: Das traditionelle Thanksgiving-Essen soll in diesem Jahr rund 20 Prozent mehr kosten als im Vorjahr, berichtete Aimee Levitt kürzlich im „Guardian“. Allein der Kilopreis für Truthahn aus Freilandhaltung, das Herzstück des traditionellen Thanksgiving-Gerichts, habe sich in den letzten Monaten beinahe verdoppelt, so die Autorin.

Ausverkauft waren sie in manchen Geschäften trotzdem schon Anfang November. Schließlich ist Thanksgiving in den USA der wichtigste Feiertag für Familien – manchen ist er so gar wichtiger als Weihnachten.

Truthahn an Thanksgiving – angeblich eine Tradition aus dem Jahr 1621

Wie kam es zu „Thanksgiving“? 

Auf den ersten Blick ist Thanksgiving mit dem deutschen Erntedankfest vergleichbar: In der christlichen Tradition danken die Menschen Gott für die Ernte. Allerdings ist der US-amerikanische Nationalfeiertag gesellschaftlich sehr viel tiefer verwurzelt und wird von viel mehr Menschen gefeiert.

Thanksgiving fiel ursprünglich auf den letzten Donnerstag im November, so hatte es der damalige US-Präsident Abraham Lincoln im Jahr 1863 verfügt. 1941 bestätigte der Kongress Thanksgiving als landesweiten Feiertag und verlegte ihn auf den jeweils vierten Donnerstag im November.

Ein Gemälde der „Mayflower“, mit der die sogenannten Pilgerväter in die für sie „Neue Welt“ aufbrachen

Die Tradition geht zurück auf die Pilgrim Fathers, die Pilgerväter, die sich 1620 von Plymouth aus aufgemacht hatten, um in der Neuen Welt ihren Glauben frei ausleben zu können. Zuvor lebten sie bereits im niederländischen Exil, weil sie der Kirche ihrer englischen Heimat entsagt hatten und verfolgt wurden.

Die Pilger praktizierten ein radikales Christentum, das sich allein nach der Bibel richtete und selbst Bischöfe als eine Erfindung Satans ablehnte. Historikerinnen und Historiker beschreiben diese dogmatische Glaubensausübung als Sekten-ähnlich,…