Studie
Karrierekick: Parasit macht Wölfe zu Rudelführern

Graue Wölfe, die mit dem Neuroparasiten Toxoplasma gondii infiziert sind, werden mit 46-mal größerer Wahrscheinlichkeit Rudelführer als ihre nicht infizierten Artgenossen. Foto

© Ingo Wagner/dpa

Er führt Mäuse direkt vors Katzenmaul und lässt Hyänenwelpen tödlich leichtsinnig werden: Der Erreger der Toxoplasmose verändert das Verhalten von Tieren – und wohl auch des Menschen – zu seinen Gunsten.

Eine Krankheit, die ihr Opfer zum Chef werden lässt: An Toxoplasmose erkrankte Grauwölfe werden wesentlich häufiger zu Rudelführern als nicht infizierte Artgenossen. Das berichten US-amerikanische Wissenschaftler im Fachblatt „Communications Biology“. Der Neuroparasit mache die Tiere wohl aggressiver, was im Kampf um die Führung von Vorteil sein könne. Mit dem Einzeller Toxoplasma gondii infizierte Wölfe werden demnach mit 46 mal größerer Wahrscheinlichkeit Rudelführer.

Schon für viele Tierarten ist bekannt, dass eine solche Infektion ihr typisches Verhalten stark verändert. Ob der Neuroparasit auch beim Menschen Verhaltensänderungen bewirkt, wird noch kontrovers diskutiert. Studien berichten unter anderem von einem rücksichtloseren Verhalten im Straßenverkehr bei Infizierten, einem größeren Drang zu Unternehmertum sowie von einem Zusammenhang zu pathologischem Jähzorn.

All diese Untersuchungen zeigen allerdings nur Korrelationen, keinen ursächlichen Zusammenhang. Klar ist hingegen, dass der mit dem Malaria-Erreger verwandte Parasit bei den meisten Menschen keine Symptome oder nur leichtes Fieber auslöst und weit verbreitet ist. Es wird davon ausgegangen, dass 30 Prozent der Weltbevölkerung infiziert sind. Eine Studie des Robert Koch-Instituts ergab, dass die Hälfte der Deutschen entsprechende Antikörper im Blut hat, bei den über 50-Jährigen sind es sogar 70 Prozent.