Wieder hat Russland den Nachbarn Ukraine schwer beschossen. Etwa 70 Raketen und Drohnen sind über das Land niedergegangen. Und wieder wurde dabei ein Großteil der Infrastruktur getroffen, wie die Strom- und Wasserversorgung in Kiew. „70 Prozent der Hauptstadt sind bisher ohne Elektrizität“, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Immerhin sei es gelungen, die Stadtteile am linken Flussufer des Dnipro wieder mit Wasser zu versorgen. Die kommunalen Dienste arbeiteten mit Hochdruck an der Behebung der Schäden, doch die Stromversorgung Kiews hänge auch von der Stabilität des gesamten Energiesystems in der Ukraine ab.

Selenskyj: „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die russischen Angriffe auf das Stromnetz bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verurteilt. „Wenn wir Temperaturen unter null Grad haben und Millionen von Menschen ohne Energieversorgung, ohne Heizung und ohne Wasser sind, ist das ein offenkundiges Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sagte er in seiner Videoansprache.

Bei den Raketenhagel wurde nach Angaben von Vitali Klitschko drei Menschen getötet, darunter auch ein 17-jähriges Mädchen. Bei einem Angriff auf ein Krankenhaus im Süden der Ukraine wurde nach ukrainischen Angaben zudem ein Neugeborenes auf der Entbindungsstation getötet. Landesweit gab es nach Angaben von Polizeichef Igor Klymenko mindestens sechs Tote und 36 Verletzte.

Der Kommandeur der russischen Truppen in der Ukraine, General Sergej Surowikin, erlangte bereits bei seinem Einsatz in Syrien ein paar Jahre zuvor Bekanntheit dafür, dass er zivile Ziele angreifen ließ, um seine Gegner zu schwächen. Nach seiner Ernennung in der Ukraine sind Angriffe auf die kritische Infrastruktur des Landes zu einem wichtigen Bestandteil der russischen Kriegsführung geworden.