Podcast „heute wichtig“
„Proteste gegen das ganze System“: Der Iran auf dem Weg in eine Revolution

Eine Demonstrantin mit der iranischen Flagge auf der Wange während einer Demonstration gegen das Regime im Iran

© Onur Dogman / SOPA Images via ZUMA Press Wire / DPA

Die Proteste im Iran sind nun stärker als jemals zuvor, sagt der Iran-Experte von Amnesty International, Dieter Karg. Denn dieses Mal geht es nicht um eine Verbesserung des Systems, es geht um seine Abschaffung.

Die wirtschaftliche Misere, Korruption, Wasserknappheit, hohe Benzinpreise – immer wieder ist es in den vergangenen Jahren im Iran zu Protesten gegen die Regierung gekommen.  Als die Iraner:innen 2009 gegen die mutmaßlich gefälschte Wahl des Ex-Präsidenten Mahmud Ahmadineschad demonstrierten, dauerten sie sogar sechs Monate an. Diesmal aber ist die Bewegung noch größer, sagt Iran-Kenner Dieter Karg in der 411. Folge „heute wichtig“. Der Protest habe sich auf alle Gebiete ausgeweitet, eine viel breitere Basis in der Bevölkerung gefunden – „und er geht grundsätzlich gegen das ganze System der islamischen Republik.“

Ein Protest ohne Führung: Hält die Bevölkerung den Repressionen stand?

Was dem Protest fehlt, ist eine Führungsfigur. Das sieht der Iran-Experte zwiegespalten: „Führungsfiguren können sich auch immer zu Diktatoren entwickeln“, sagt Dieter Karg. Andererseits versuche das Regime aktuell all diejenigen auszuschalten, die eine neue Führung übernehmen könnten. „Menschen, die geeignet wären, sitzen zum größten Teil im Gefängnis.“ Die aktuelle Bewegung im Iran ist seiner Meinung nach eine gänzlich unparteiliche Bewegung. Und diejenigen, die offen rebellieren, werden durch die Straßen gejagt, niedergeprügelt, getreten oder sogar hingerichtet. „Es ist schwer zu sagen, ob die Bevölkerung dem standhalten wird, aber die Entschlossenheit scheint sehr…