China hatte die Pandemie im Griff – bis jetzt. Plötzlich türmen sich die Corona-Fälle in den Statistiken. Dabei hatte die chinesische Regierung erst Lockerungen angekündigt. Die Bevölkerung ist verwirrt, verärgert und die Regierung ratlos.

Es sind Bilder, wie man sie aus Asien eigentlich kaum kennt: In China gehen die Menschen wegen der strikten Null-Covid-Strategie der Regierung auf die Straßen. Videos dokumentieren teils gewaltsame Proteste, bei denen Bürger trotz auferlegter Quarantäne aus ihren Wohnungen ausbrechen. So geschehen etwa in der südchinsischen Metropole Guangzhou. Wegen steigender Corona-Fallzahlen hatte die Regierung für die zweitgrößte Stadt des Landes weitere Einschränkungen angekündigt – sehr zum Missfallen der Menschen.

3,7 Millionen Bewohner aus dem Stadtbezirk Baiyun durften ihre Wohnungen nur mit negativem Corona-Test verlassen. Aus Protest missachteten die Menschen die Regeln, Wanderarbeiter rissen Barrikaden nieder. Ähnliches ereignete sich weiter nördlich in Zhengzhou. Dort gingen Mitarbeiter des größten iPhone-Werks wegen der rigiden Corona-Maßnahmen auf die Straßen. Videos in sozialen Netzwerken zeigen mehr als hundert Menschen, die mit Personen in Schutzanzügen aneinandergeraten.

„Die Situation in China ist derzeit sehr angespannt – sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich“, fasst Vincent Brussee, Datenanalyst und Experte für chinesische Innenpolitik am Mercator Institute für Chinese Studies (Merics), die aktuelle Lage für den stern zusammen.

Von Lockdown zu Lockdown: So hangelte sich China, das Geburtsland von SARS-CoV-2, aus westlicher Sicht durch die nun fast vier Jahre dauernde Pandemie. Dafür erntete die Volksrepublik verwunderte bis entsetzte Blicke. Während im Westen wieder vermehrt Bedenken über einen wachsenden Überwachungsstaat die Runde machten, wies China den Erreger mit rigiden Maßnahmen in…