Viel unterschiedlicher konnte die Gefühlslage kaum sein: Richarlison, im ersten Spiel der Brasilianer bei der Fußball-WM in Katar Doppeltorschütze gegen Serbien, lachte und scherzte nach seiner Auswechslung mit Dani Alves. Superstar Neymar brach dagegen in Tränen aus. Er hatte im ersten WM-Spiel kein Tor gemacht und konnte es nicht, wie angekündigt, dem gerade erst abgewählten brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro widmen. Aber das war nicht der Grund dafür, dass Neymar weinte.

Neymar schon wieder bei einer WM verletzt? 

Vielmehr fürchtete der Stürmer von Paris St. Germain wohl, dass die WM für ihn möglicherweise früh beendet sein könnte oder er zumindest einige Tage pausieren muss. Neymar hatte im Spiel viele Tritte der serbischen Verteidiger abbekommen. Einer war offenbar so heftig gewesen, dass sein Knöchel dick geschwollen war und gekühlt werden musste.

„Das ist schon verrückt, das träumst du als Kind, an so einer Stelle so ein Tor zu machen“, freute sich dagegen Richarlison nach dem Spiel, dem mit seinem Seitfallzieher zum 2:0 das bislang schönste Tor dieser WM gelang. „Wir haben es geschafft, in der zweiten Halbzeit den Spieß rumzudrehen und das Spiel zu entscheiden.“ 

Der WM-Auftakt in Katar ist gelungen, aber reicht es auch dann zum Titel, wenn Neymar tatsächlich ausfällt? Wie teuer wäre der Sieg gegen die Serben bezahlt, wenn der Angreifer nicht wieder fit wird?

Brasilien hat in Katar nichts anderes als den WM-Titel als Ziel, Neymar ebenso. Bereits 2014 im eigenen Land hätte es die sechste Weltmeisterschaft für den Rekordweltmeister geben sollen. Doch Neymar verletzte sich am Rücken und musste hilflos dabei zusehen, wie seine Selecao ohne ihn im Halbfinale mit 1:7 gegen Deutschland unterging. 2018 scheiterte man im Viertelfinale an Belgien. Auch damals vergoss Neymar viele Tränen. Diesmal soll der sechste Titel her, es wäre der erste einer südamerikanischen Mannschaft seit dem Sieg Brasiliens bei der WM 2002 in Japan und Südkorea.