Das Gericht befand die Angeklagten schuldig, im August vergangenen Jahres irrtümlich einen Mann der Brandstiftung beschuldigt und ihn gelyncht zu haben. Der 38-Jährige war als Freiwilliger in das Dorf Larbaa Nath Irathen in der Provinz Tizi Ouzou im Nordosten des Landes gekommen, um bei der Bekämpfung von Waldbränden zu helfen.

Das zuständige Gericht in einem Vorort der Hauptstadt Algier sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten den Mann vor mehr als einem Jahr getötet und seine Leiche geschändet haben, wie die amtliche Nachrichtenagentur APS berichtet. Weil in dem nordafrikanischen Land seit 1993 ein Todesstrafen-Moratorium gilt, wurde die Höchststrafe in lebenslange Haft umgewandelt. Zudem wurden 28 weitere Angeklagte zu Haftstrafen von zwei bis zehn Jahren verurteilt, 17 andere wurden freigesprochen.

Vorfall löste Entsetzen aus

Der brutale Mordfall hatte in Algerien großes Entsetzen ausgelöst. Eine Menge tötete den Mann im August vergangenen Jahres, weil sie ihn für einen Brandstifter hielt. Damals wüteten heftige Waldbrände, in deren Folge mindestens 90 Menschen ums Leben kamen.

Die Polizei hatte den Mann zunächst auf ein Präsidium gebracht. Der Mob griff die Wache schließlich an und zerrte ihn hinaus. Polizisten versuchten noch, dem Opfer zu helfen. Mehrere sollen dabei selbst Verbrennungen erlitten haben. Laut Medien erwiesen sich die Anschuldigungen der Menge indes als falsch: Statt Feuer zu legen, hatte der Getötete offenbar geholfen, die Brände zu löschen.

Die Urteile können angefochten werden. In Algerien wurden zuletzt vor rund 30 Jahren Menschen hingerichtet. Seitdem gilt das Moratorium: Todesstrafen werden zwar noch verhängt, aber nicht mehr vollstreckt. 2020 wurde nach Angaben von Amnesty International ein Todesurteil verhängt, im vergangenen Jahr waren es neun.

uh/fab (dpa, afp)