„Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten“ – wer dieses Zitat der deutschen Trainerlegende Sepp Herberger im Kopf hat, reibt sich bei dieser Fußball-WM die Augen. Das Gruppenspiel zwischen Iran und England dauerte insgesamt etwas mehr als 114 Minuten. Zehn Minuten wurden als Nachspielzeit nach der ersten Halbzeit, 14 nach der zweiten angezeigt und dann sogar noch überschritten. Das ermöglichte dem Iraner Mehdi Taremi, sich in die WM-Rekordlisten einzutragen. Sein Elfmetertor zum 2:6 (0:3)-Endstand (90.+13) war der späteste Treffer der WM-Geschichte, zumindest seit 1966, als solche Daten erstmals detailliert erhoben wurden. 
 

Klare Anweisung an Schiedsrichter

Nun gab es solche Ausreißer immer. Doch in Katar hat die ausufernde Extra-Spielzeit Methode. Beim Sensationssieg von Saudi-Arabien gegen Argentinien gabs ein Plus von über 20 Minuten. Die Partie der Niederlande gegen Senegal dauerte ebenso eine knappe Viertelstunde länger, beim Abendspiel zwischen den USA und Wales gab es satte 15 Minuten obendrauf. Der Grund ist einfach: Es ist eine Ansage der FIFA an die Unparteiischen. Schiedsrichterchef Pierluigi Collina hatte schon vor Turnierstart angekündigt, deutlich stärker auf die tatsächlich gespielte Zeit zu achten. 

„Wir werden die Nachspielzeit sehr sorgfältig kalkulieren und versuchen, die Zeit auszugleichen, die durch Zwischenfälle verloren geht“, sagte Collina. „Wir wollen nicht, dass es in einer Halbzeit nur 42 oder 43 Minuten aktives Spiel gibt, das ist nicht akzeptabel.“ So solle die Zeit, die durch Torjubel, Auswechslungen, Verletzungen oder Platzverweise verloren gehe, in jedem Fall nachgespielt werden. Auch Zeitspiel, wie bei einer knappen Führung in der K.o.-Phase von WM-Turnieren häufig beobachtet, soll dadurch unterbunden werden. „Sieben, acht, neun Minuten Nachspielzeit“ seien in einem normalen WM-Spiel in Katar durchaus zu erwarten, so Collina. 

jk/sn (sid, dpa)