Meinung

„Fußballfest“ in Katar
Debakel zum WM-Auftakt: Noch nie hat mich ein Spiel der Nationalelf so kalt gelassen

Blick auf die Uhr: Bundestrainer Hansi Flick beim Spiel gegen Japan

© Christian Charisius / DPA

Deutschland hat das erste Spiel dieser WM ordentlich vergeigt. Unser Autor, ein Fußballfan seit Kindheitstagen, fühlte dabei: nichts.  

Als Kind drehte sich bei mir alles um Fußball. EM- und WM-Spiele waren für mich hohe Feiertage. Jedes Spiel, ob Kamerun gegen Saudi-Arabien, ob Japan gegen Costa-Rica wurde auf der Straße und im Garten mit wenn möglich farblich passenden T-Shirts nachgespielt. Panini-Bildchen als Standardwährung auf dem Pausenhof, der Fernsehbildschirm als Lagerfeuer für die ganze Familie.

Sei es Ball, Stein oder Luftballon: Noch heute kann ich an keinem runden Etwas vorbeigehen, ohne dagegen zu treten. Ronaldo (das Original!), der auf Oliver Kahn zurast, Zidane, der Materazzi zu Boden köpft, das ohrenbetäubende Raunen der Vuvuzelas: Die großen und kleinen Momente der Fußballfeste haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt.

WM 2022 in Katar

DFB-Elf in der Einzelkritik: Zu viele Spieler patzen, zwei machen die größten Fehler

Auch das, was gerade in Katar, in diesem Land vor unserer Zeit stattfindet, löst eine Menge Gefühle bei mir aus – nur hat keines davon hat mit dem Sport zu tun, den ich lieb(t)e. Ich bin ehrlich mit Ihnen, lieber Leser. Hätte ich diesen Kick nicht beruflich schauen müssen, hätte ich es mir womöglich gespart. Beim Mittippen im Kölner Homeoffice hatte ich das Fenster auf Kipp geöffnet – in Erwartung des tosenden Jubels der Nachbarn, die die DFB-Treffer dank TV-Anschluss Sekunden vor mir erleben. Doch als Gündogan in der 33. Minute seinen Elfmeter routiniert versenkte, war mein Veedel stiller als die Nationalspieler beim Mannschaftsfoto.