TV-Kritik

WM-Spiel gegen Japan
O(h)ne Love, ohne Punkte – selbst Bono kann Deutschland nicht trösten

Bastian Schweinsteiger wirkte an der Seite von Esther Sedlaczek um einiges besser durchblutet als neulich neben Jessy Wellmer

© Tom Weller / DPA

Nach drei ZDF-Schichten in Folge wechselte die WM-Berichterstattung ins Erste. Im Blickpunkt dabei, natürlich, die Frage: Was hat sich #diemannschaft ausgedacht? Angesichts des Spielverlaufs rückte der Protest am Ende jedoch in den Hintergrund.

Ein Kommentar von Ingo Scheel

Ein cooler Auftritt sei das gewesen, nur die Sache mit dem Coversong von U2 hätte man sich schenken sollen. So stand es Mitte der 90er mal in einer Konzertkritik über einen Gig unserer Band The Empire Freak Shop in der Kieler Traumfabrik. Sauber abgeliefert, nur „One“ war irgendwie zuviel. Ein Fazit, das man im Prinzip genauso mit Blick den Fußballnachmittag in der ARD ziehen könnte: Alles okay, bis auf „One“. Klar liegt der Song von U2 nahe, wobei der ja mit Blick auf den Armbinden-Text nur die halbe Geschichte erzählt. Bob Marleys „One Love“ wäre da eigentlich die, ähm, verbindlichere Wahl gewesen.

Sei es drum, in der ARD-Redaktion sind die U2-Fans wohl in der Überzahl. Dabei griff man zu einer Art Akustikversion und die wiederum fühlte sich schon vor dem Spiel so an, als wären Bono und seine Band vorahnungsvoll zum Trösten angetreten. Kein Aufbruch, keine Euphorie, stattdessen der irische Pop-Preacher, als hätte man bereits gewusst, welches Ergebnis nach bummelig 98 Minuten auf der Anzeigetafel stehen würde. Dass die Ersatzprotest-Pose der Mannschaft, Hashtag Redeverbot, mit der Hand vor dem Mund optisch ebensogut für den Moment danach passte – Huch, das ging wohl daneben! – auch das eine ungewollte, etwas tragische Pointe.

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