Psychologie
Weit verbreiteter Glaube an Hexerei bremst Entwicklung aus

Die originalen Merseburger Zaubersprüche liegen auf einem Tisch im Domstiftsarchiv Merseburg. Foto

© Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB

An Hexerei glauben – darüber mag man zunächst lächeln. Doch solcher Irrglaube hat Konsequenzen, wenn er in einer Gesellschaft weit verbreitet ist.

Es gibt Hexen, die mit ihren übernatürlichen Fähigkeiten anderen Schaden zufügen können – daran glaubt eine überraschend große Zahl der Menschen weltweit. 40 Prozent der Bevölkerung in 95 Ländern sind davon überzeugt, wie eine im Fachmagazin „PLOS One“ vorgestellte Studie ergab. Demnach ist der Glaube an Hexerei besonders stark in Staaten mit schwachen Institutionen und konformistischen Kulturen verbreitet – und schafft dort Misstrauen und Angst.

Die regionalen Unterschiede sind dabei sehr groß. So erklärten beispielsweise nur 9 Prozent der Befragten in Schweden, an Hexerei zu glauben, während es in Tunesien 90 Prozent waren. Hohe Werte zeigten sich auch in Marokko, Tansania und Kamerun. In Deutschland lag der Prozentsatz bei etwa 13 Prozent und damit vergleichsweise niedrig.

UN-Menschenrechtsrat schaltet sich ein

Hexenwahn ist beileibe kein Phänomen des Mittelalters: Auch heute noch werden vielerorts vor allem Frauen und Menschen mit Albinismus aufgrund vermeintlicher magischer Fähigkeiten angegriffen und umgebracht. Die Verfolgung ist so gravierend, dass der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr eine Resolution veröffentlichte, die zur Verurteilung entsprechender verletzender Praktiken und Angriffe auffordert.

Allerdings fehlten bislang statistische Analysen auf globaler Ebene, die zeigen, wie weit der Hexereiglaube verbreitet ist. Damit beschäftigte sich nun der Wirtschaftswissenschaftler Boris…