Podcast „heute wichtig“
„Es dauert nicht mehr lange, da werden die Ersten in Deutschland hungern“ – die Armut bleibt, trotz Bürgergeld

Für Wolfang Büscher, Sprecher der Berliner Arche, ist es eine Frage von Wochen oder Monaten, ehe in Deutschland Menschen hungern

© Paul Höltge

von Dimitri Blinski

23.11.2022, 06:24
2 Min.

Tschüss Hartz IV – willkommen Bürgergeld. Bis Freitag will die Ampel durch sein mit ihrer größten Sozialreform. Doch wird das Bürgergeld seinem Namen auch gerecht oder steckt am Ende doch mehr Marketing als Reform in dem Hartz-IV-Ersatz?

Ab 2023 soll nun alles besser werden – das Bürgergeld kommt, wenn auch im zweiten Anlauf und mit Kompromissen. Bis Freitag dieser Woche sollen Bundestag und Bundesrat dem neuen abgeänderten Nachfolger von Hartz IV zustimmen. Wolfang Büscher, Sprecher der Berliner Arche, sagt in der 410. Folge des Podcasts „heute wichtig“: „Hartz IV oder ‚hartzen‘ ist natürlich ein grässlicher Name, aus PR-taktischen Gründen macht sich das Bürgergeld natürlich schon hervorragend. Aber ich finde, es ist nicht für die Familie geschaffen, die jetzt schon in Armut leben müssen, die Inflation frisst diese 40 Euro mehr auf.“

„Bald werden die Ersten in Deutschland hungern“

Die Arche Berlin ist ein christliches Kinder- und Jugendhilfswerk, das vor allem gegen Kinderarmut kämpft. Und dort, vor Ort, erlebt Wolfgang Büscher jeden Tag Menschen, denen es an allem fehlt und gerade sie trifft die Inflation am härtesten: „Wir haben eine Inflation, die gerade bei den preiswerten Lebensmitteln, bei bis zu 50, 60 Prozent liegt, viele Familien haben nichts mehr zu essen. Es gibt Mütter, die sagen, ich esse zu Mittag nichts mehr, dass meine Kinder abends etwas haben. Was mich zuletzt geschockt hat, da hat ein Zwölfjähriges Mädchen aus einer RTL-Arche in Rostock der Pädagogin gesagt: ‚Ich…