Deutschlands stummer Protest – für wen kämpft ihr da eigentlich?

Nico Schlotterbeck

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DFB-Elf setzt Zeichen mit der Hand vor dem Mund: Ein Kommentar zum peinlichen Protest.

Die Entscheidung, dass in diesem Winter Fußball in Katar gespielt wird, die wurde auf politisch-struktureller Ebene getroffen und gemacht. Die bei der WM antretenden Spieler haben daran keinen Anteil. Trotzdem hat sich die Deutsche Nationalmannschaft für einen Protest entschieden. Dieser wurde zum Debakel sondergleichen – zu einem Kampf für die Selbstdarstellung und den eigenen Stolz. Nur halt nicht für diejenigen, die tatsächlich betroffen sind.

Das Tragen der One Love-Binde, die Hand vor dem Mund – das ist kein Protest, das ist PR. Protest hätte an dem Punkt angefangen, an dem es wehtun kann.

Aufgabe der Spieler ist es überhaupt nicht, die Missstände in Katar aufzuzeigen oder gegen eine WM in solch einem Land zu demonstrieren. Die Deutsche Nationalmannschaft hat sich nun aber dafür entschieden, Haltung zu zeigen, ganz bewusst anzuklagen, fehlende Menschenrechte zu bemängeln. Das kündigten der Verband wie auch mehrere Spieler vor dem Turnier großspurig an. Schließlich war die Mannschaft dafür dann aber zu feige.

Nun hätte man dieses Fiasko so stehen lassen können und stillschweigend ertragen, dass einem die Zustände in Katar dann doch recht herzlich am Arsch vorbeigehen. Nein, „Die Mannschaft“ musste noch einen draufsetzen, rechtfertigte den Rückzieher der One Love-Binde mit der eigenen Ohnmacht, weil – naja, auf Fußballspielen verzichten, um sich mit Menschen zu solidarisieren, die tatsächlich leiden, das geht dann doch zu weit.

Stattdessen entschied man sich für eine Hand vor dem Mund; ein stiller Protest gegen die Zensur der FIFA. Ja, genau: gegen die FIFA – und vermutlich auch für den eigenen Stolz, die eigene Selbstdarstellung. Aus einer Überzeugung, einer Haltung für Menschenrechte,…