Bei einer schwierigen Rettungsaktion hat die griechische Küstenwache rund 430 Migranten von einem in Seenot geratenen Boot aufgegriffen. Die Menschen hatten in der Nacht einen Notsignal gesendet. Wegen hoher Wellen drohte das rostige und völlig überfüllte Boot zu kentern. Das havarierte Schiff wurde schließlich unter Aufsicht der Kriegsmarine von zwei Fischerbooten abgeschleppt, die ebenfalls auf den Notruf reagiert hatten.

Die Migranten wurden in den Hafen von Paleochora im Südwesten von Kreta gebracht. Wie es hieß, sie sollen sie überwiegend aus Pakistan und Syrien stammen, es seien zahlreiche Kinder an Bord gewesen. Schleuser setzen immer wieder uralte, kaum seetüchtige Boote ein, um Migranten aus der Türkei und aus Ländern wie Syrien und dem Libanon nach Italien zu bringen.

Gefährliche Überfahrt

Weil in der Ägäis die griechische Küstenwache und die EU-Grenzschutzagentur Frontex verstärkt patrouillieren, nutzen Schlepper zunehmend die längere und gefährlichere Route südlich von Kreta. Auf der langen Fahrt kommt es nach Angaben der griechischen Küstenwache häufig zu Maschinenschäden oder anderen Problemen.

Am 11. Oktober kamen mindestens 30 Flüchtlinge beim Untergang ihrer beiden Boote vor den Inseln Lesbos und Kytheria ums Leben. Anfang November barg die Küstenwache nach dem Untergang zweier weiterer Flüchtlingsboote vor den Inseln Euböa und Samos 21 Leichen. Dutzende weitere Menschen gelten seitdem als vermisst.

Wie viele Boote dieses Jahr gesunken sind, ist unklar. Schätzungen zufolge liegt die Zahl der ertrunkenen und vermissten Migranten im östlichen Mittelmeer seit Jahresbeginn bei über 300 und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. 2021 waren laut Statistik des UN-Flüchtlingshilfswerks 115 Menschen ums Leben gekommen oder konnten nicht gefunden werden.

uh/kle (dpa afp)