Nähkästchen des Silicon Valley
Firmengeheimnisse aus erster Hand: Bei Blind erzählen Angestellte vieler Großkonzerne alles

Die meisten Unternehmen haben sogenannte Geheimhaltungsvereinbarungen – trotzdem plaudern Mitarbeiter:innen gerne über Internes.

© DeanDrobot / Getty Images

In Zeiten von Massenentlassungen und Firmenübernahmen wirrer Milliardäre brauchen Mitarbeiter:innen eine Plattform um sich auszutauschen. Blind bietet genau das – und ist öffentlich.

„Twitter war großartig, bis Elon kam“, „Habt ihr euren Job bei Meta noch?“ oder „Brauche ich als Amazon-Entwickler jetzt einen Anwalt?“ – die Tech-Branche ist in Aufruhr und die ehemals schillernde Fassade des Silicon Valley bröckelt. Das Thema der Stunde sind Massenentlassungen. Zehntausende verlieren ihre Jobs, dabei ist es egal, ob man vorher bei Twitter, Meta oder Amazon einen hochbezahlten Job hatte.

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Blind ist eine virtuelle Kaffeeküche

In einer solchen Situation hilft es, sich mit Betroffenen auszutauschen. Doch wie? Auf dem Flur hören andere zu, der Firmenchat wird überwacht und in den sozialen Netzwerken ist man leicht zu finden. Diese Lücke füllt Blind, das „Nähkästchen des Silicon Valley“. Spätestens seit Elon Musk bei Twitter tagtäglich für Chaos sorgt, gewinnt diese Plattform weltweit an Bedeutung, auch wenn Blind in den USA schon weit verbreitet ist. Die App gibt es für iOS und Android, eine Webseite reicht oft schon für das Nötigste.

Denn neu ist Blind nicht – das koreanische Start-up wurde bereits 2013 gegründet und sorgte 2017 zuletzt für Aufsehen, als dort Vorwürfe sexueller Belästigung und Diskrimierung beim US-Fahrdienst Uber…