In Russland wird ein vermeintlicher Verräter hingerichtet. Vor laufender Kamera wird ein Mord begangenen. Mehr noch: Das Gewaltmonopol des Staates wird mit Füßen getreten. Und aus dem Kreml heißt es: „Es geht uns nichts an.“ Nur wenige Worte, aber sie sprechen Bände. 

Eine Hinrichtung vor laufender Kamera – damit wollen die Söldner der berüchtigten Privatarmee des Kremls, der Gruppe Wagner, ein neues Kapitel in ihrer unrühmlichen Geschichte aufschlagen. Am Abend des 12. November tauchte auf dem Telegram-Kanal „Grey Zone“, der in Verbindung mit der Söldnertruppe steht, ein schockierendes Videos auf. Es zeigt die brutale Hinrichtung von Jewgeni Nuschin. 

Im Sommer war Nuschin aus der Justizvollzugsanstalt Nr. 3 in der Region Rjasan von der Wagner-Truppe angeworben worden. Jewgeni Prigoschin, der Chef und nominelle Besitzer der Privatarmee, stattete auf der Suche nach neuen Männern der Strafanstalt einen persönlichen Besuch ab. Sie sollen für ihn in der Ukraine kämpfen.

Die letzten 19 Jahre hatte Nuschin in Haft verbracht. Der Dienst bei der Wagner-Truppe bedeutete für den Mann, der wegen Mordes zu 25 Jahren Haft verurteilt worden war, die Freiheit. Doch schon in seiner zweiten Nacht an der Front floh Nuschin. In Kiew angekommen, packte er über die desaströsen Zustände in der Wagner-Truppe aus, gab im ukrainischen Fernsehen Interviews. Nuschin wurde zu einer prominenten Mediengestalt. Doch seine letzten Augenblicke vor einer Kamera endeten mit seinem Tod.

Für seinen angeblichen Verrat erschlugen seine ehemaligen Kameraden Nuschin mit einem Schlaghammer. Bevor er starb, gab er an, am 11. November aus Kiew entführt worden zu sein. Er sei bewusstlos geschlagen worden, sei schließlich in einem Keller wieder zu sich gekommen, wo er erfahren habe, dass er „hingerichtet“ werde. „Einem Hund den Hundetod“, kommentierte Prigoschin die Aufnahmen.