Gianni Infantino bleibt. Schon jetzt darf sich der 52 Jahre alte Schweizer seiner Wiederwahl als FIFA-Präsident sicher sein und kann entsprechend locker die umstrittene WM in Katar verfolgen. Die Kandidaten-Frist für die nächste Präsidentenwahl ist abgelaufen, ohne dass sich jemand fand, der beim Kongress des Fußball-Weltverbands am 16. März 2023 in Ruandas Hauptstadt Kigali gegen Infantino antreten wollte.

Wer bewirbt sich schon für einen Posten, wenn die Erfolgschance gegen null geht? Bis Ende Oktober hatten sich bereits die Verbände Asiens, Afrikas, Südamerikas und Ozeaniens offiziell und jeweils einstimmig hinter Infantino gestellt. Das verschafft ihm schon jetzt eine beruhigende Mehrheit von 121 der 211 Stimmen – egal, wie sich die Vertreter Europas sowie Nord- und Mittelamerikas und der Karibik noch entscheiden.

Kritik unerwünscht

Dass niemand den Mut hat, sich offen gegen den FIFA-Chef zu positionieren und ihm auch bei der Wahl die Stirn zu bieten, ist ein Armutszeugnis. Es sagt aber auch viel aus über den Zustand des Weltverbands. Nach außen hin verkauft sich die FIFA gerne als gemeinnützige, demokratische Organisation. De facto aber handelt es sich aber um ein straff geführtes, gewinnorientiertes Fußball-Wirtschaftsunternehmen, in dem Kritik unerwünscht ist.

Stefan Nestler, DW Sport

Seit 2016 steht Infantino an der Spitze der FIFA. Nach dem großen Korruptionsskandal unter seinem Vorgänger Joseph Blatter hatte er eine „neue Ära“ versprochen, der Fußball sollte wieder ins Zentrum rücken. Weniger Kommerz, mehr Transparenz? Das Gegenteil war der Fall. Unliebsame Ermittler aus den eigenen Reihen wurden abgesetzt. Im FIFA-Ethikreglement, 2018 verabschiedet, findet sich nicht mal mehr der Begriff Korruption. Stattdessen führte die FIFA Verjährungsfristen für Ethikverstöße ein und schreckte mögliche Whistleblower ab, die nun mit Geldstrafen und Sperren rechnen müssen.

Hauptsache, der Dollar rollt

Aus den eigenen Reihen hat Infantino seitdem wenig…