Kriminalität
„Nicht verdrängen“: Kampagne gegen Kindesmissbrauch

Familienministerin Lisa Paus stellt eine auf mehrere Jahre angelegte Aufklärungs- und Aktivierungskampagne gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen vor. Foto

© Demy Becker/dpa

Oftmals wird der sexuelle Missbrauch an Kindern schlicht verdrängt. Eine neue Kampagne soll das Thema aus dem Schatten ziehen und damit gewohnte Denkmuster auch in Familien infrage stellen.

Mit einer neuen bundesweiten Kampagne gegen sexuelle Gewalt an Kindern wollen das Bundesfamilienministerium und die Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, mehr Bewusstsein für das Thema schaffen. Viele Menschen würden sexuellen Missbrauch in ihrem Umfeld verdrängen, sagte Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) am Donnerstag bei der Vorstellung der Kampagne. Doch genau das dürfe nicht passieren.

„Wir Erwachsene haben die Verantwortung, für Kinder da zu sein. Wir haben die Verantwortung, einen Verdacht nicht wegzuschieben, ihn nicht auf sich beruhen zu lassen, sondern ihm nachzugehen“, sagte Paus. Die neue Kampagne mit dem Titel „Schieb den Gedanken nicht weg!“ solle helfen, gewohnte familiäre Denkmuster infrage zu stellen und sexuellen Missbrauch im Alltag besser zu erkennen.

Die Fallzahlen steigen

In der polizeilichen Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr 15.500 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch registriert – ein Anstieg um 6,3 Prozent im Vergleich zu 2020. Paus wies darauf hin, dass das Dunkelfeld, also die Zahl der Fälle, die nicht bekannt oder angezeigt würden, „ungleich größer“ sei. Etwa drei Viertel der Fälle spielten sich im engsten sozialen Umfeld ab.

Auch die Politik müsse mehr tun, um betroffene Kinder zu schützen. Sie werde daher noch in dieser Legislaturperiode das Amt der Unabhängigen Beauftragten für…