Sehen Sie im Video: „Totale Katastrophe für Russland“ – stern-Experte über die Folgen des Cherson-Rückzugs.

Gernot Kramper (stern) Also wenn man jetzt das große Bild nimmt, ist das eine totale Katastrophe für die Russen. Da gibt es gar nichts dran zu beschönigen. // Die Ukraine ist inzwischen bei der fünften Mobilisierungswelle angekommen. Das heißt, die besseren Rekruten sind in der Mobilisierungswelle eins, die zweibesten in der zwei, also es wird immer schwieriger. // Also, bevor man die Truppen in einer aussichtslosen Situation aufopfert, um Putins Ego zu befriedigen, wurden die Truppen zurückgenommen.

Hendrik Holdmann (stern) Nach wochenlangen Kämpfen hat Russland die Stadt Cherson aufgegeben. Die Ukraine kontrolliert die Stadt wieder. Wie katastrophal war der Rückzug aus Cherson für die Russen?

Gernot Kramper (stern) Also wenn man jetzt das große Bild nimmt, ist es eine totale Katastrophe für die Russen. Da gibt es gar nichts dran zu beschönigen. Das eine ist natürlich der politische Imageverlust für Putin. Man muss sich daran erinnern, dass diese Gebiete mit großem Pomp illegal annektiert worden sind. Das wurde praktisch zum Mutterland Russland erklärt. Nun muss es aufgegeben werden. Das ist natürlich eine politische und PR-Niederlage allerersten Ranges und da gibt es auch gar nichts dran zu deuteln. Das andere ist das: Mit den Gebieten auf der Westseite des Dneprs hatten die Russen immer eine Position, in der sie die Ukraine angreifen konnten und bedrohen konnten. Das haben sie dann aus Unfähigkeit nicht wirklich realisieren können. Aber die Potenz hatte dieser Brückenkopf ja und da musste die Ukraine auch extrem Vorsorge für treffen, dass die Russen nicht Richtung Norden oder Richtung Westen daraus ausbrechen können. Das ist alles nicht möglich. Also haben wir das aufgeben müssen. Also das ist militärisch ein Riesen-Verlust. Es ist von der PR ein Riesen-Verlust und es beschneidet ihre strategischen Möglichkeiten in dieser Gegend sehr stark….