Kaum einer hat die Atmosphäre und den manchmal barschen Tonfall Berlins so liebevoll eingefangen wie er: Der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase, der am Mittwoch im Alter von 91 Jahren in Berlin verstorben ist.

Dabei bildete er sich nie ein, es besser zu wissen als andere: „Man macht ja überhaupt nicht Filme, weil man irgendetwas besser weiß als andere, sondern weil man versucht, irgendetwas herauszufinden über die Welt“, so sagte er einmal gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR).

Wolfgang Kohlhaases Sprachwitz war zeitlos. Wenn die Sängerin Sunny, gespielt von Renate Krößner, einen One-Night-Stand mit den Worten „Is‘ ohne Frühstück“ hinauskomplimentiert und dessen Gemurre mit „Is‘ auch ohne Diskussion“ quittiert, dann hat das heute so viel Biss wie 1980, als der DEFA-Film „Solo Sunny“ international Furore machte.

Mit seinen Filmen überwand Kohlhaase schon früh Grenzen

Der 1931 in Berlin geborene Autor war einer der profiliertesten Drehbuchautoren der DDR, später, nach der Wende, aber ebenso in Gesamtdeutschland. Welcher andere Autor konnte das schon von sich behaupten? Kohlhaase überwand Grenzen, mit seinen Drehbüchern – und sicher auch mit seinem Wesen. Kollegial und ruhig, sachlich und doch mit der notwendigen Klarheit in seiner Wortwahl, so erlebte man ihn auf Podien und im Gespräch.

Wolfgang Kohlhaase im Jahr 2018 beim Filmfestival ohne Grenzen in Bad Saarow

In Ostdeutschland hatte sich Kohlhaase mit den großen Regisseuren der DEFA (Deutsche Film AG) zusammengetan, mit Kurt Maetzig und Gerhard Klein, Konrad Wolf und Frank Beyer. Für sie arbeitete er meist mehrmals. Später suchte er wieder die Nähe zu Regiepersönlichkeiten: Bernhard Wicki, Volker Schlöndorff, Andreas Dresen, zuletzt zu Matti Geschonneck, dem Sohn des großen DDR-Schauspielers Erwin Geschonneck. Es schloss sich also ein Kreis.

Bei den DDR-Behörden eckte er oft an

Seine Themen orientierten sich stets an den Bedürfnissen der Menschen. Dass er damit an Grenzen stieß in der…