Als die „New York Times“ am 5. Oktober 2017 den Artikel mit der Überschrift „Harvey Weinstein Paid Off Sexual Harassment Accusers for Decades“ (deutsch:  „Harvey Weinstein bezahlte jahrzehntelang Frauen, die ihn der sexuellen Belästigung anklagten, für ihr Schweigen“) veröffentlichte, konnte sie nicht ahnen, dass sie damit ein weltweites Medienphänomen auslösen würde. In dem Artikel legten die Journalistinnen Jodi Kantor und Mega Twohey dar, dass der Studio-Mogul Harvey Weinstein, Produzent zahlloser Oscar- und Hollywoodhits, jahrzehntelang Frauen sexuell missbraucht und belästigt hatte. Inzwischen demonstrieren Frauen auf der ganzen Welt gegen sexualisierte Gewalt, und Feministinnen fordern im Westen den Umbau des Systems.

Immer neue Vorwürfe: Harvey Weinstein 2021 bei einer Anhörung vor Gericht

 

Denn aus der Berichterstattung über Harvey Weinstein entstand die #MeToo-Bewegung: Dem Aufruf der US-Schauspielerin folgend, teilten Frauen in sozialen Netzwerken unter dem Hashtag „Me too“ ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. Schon am ersten Tag wurde der Hashtag auf Twitter 200.000 Mal verwendet. Am nächsten Tag waren es schon mehr als eine halbe Million. #MeToo trendete in mehr als 85 Ländern und bekam Ableger in vielen anderen Sprachen. Geprägt hatte ihn die Menschenrecht-Aktivistin Tarana Burke bereits im Jahr 2006 im sozialen Netzwerk „My Space“ im Umgang mit jugendlichen Opfern sexualisierter Gewalt. 

Wie ging es weiter?

Fünf Jahre später sitzt Harvey Weinstein wegen Vergewaltigung im Gefängnis, verurteilt zu 23 Jahren Haft. Weitere Prominente wurden zu Haftstrafen verurteilt, zum Beispiel der US-amerikanische Schauspieler Bill Cosby. Auch der französische Fotograf Jean-Claude Arnault erhielt eine Haftstrafe, da er eine Frau vergewaltigt hat – ein Umstand, der die Schwedische Akademie, die alljährlich den Literatur-Nobelpreis verleiht und bei der er Mitglied war, in solche Schwierigkeiten stürzte, dass sie den Preis ein Jahr lang…