von Andrea Zschocher

26.09.2022, 06:31
5 Min.

Bei „Anne Will“ gab es einen erwartbaren Talk zu Gasumlage und zur Gaspreisbremse. Wichtig wäre aber, auf die Stimmen des Volkes zu hören.

Wäre es nicht schön, wenn es in einer Politiktalkshow mal wirkliche Antworten geben würde, statt immer nur vorgefertigte Phrasen? Bei Anne Will war Christian Lindner an diesem Abend zwar spontan genug, um entnervt auf mögliche Streitigkeiten mit Robert Habeck zu reagieren. Zum Thema der Sendung: „Niemand soll im Winter frieren oder hungern müssen – Kann die Regierung dieses Versprechen halten?“ machte er aber, sehr erwartbar, ausweichende Angaben.

Zu Gast bei „Anne Will“ waren:

Julia Friedrichs, Autorin, Journalistin und FilmemacherinChristian Lindner (FDP), Bundesminister für FinanzenKarl-Josef Laumann (CDU), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-WestfalenClemens Fuest, Präsident des ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V.

Wenn Reiche über Arme sprechen

Niemand der eingeladenen Talkgäste wird sich im Winter auch nur eine Sekunde lang die Frage stellen, ob die gestiegenen Gas- und Strompreise oder die Inflation ihn wirklich betreffen. Die Lebensmittel werden teurer? Schade, aber nicht wirklich wichtig, Minister- und Präsidentengehälter machen es möglich. Deswegen kann Clemens Fuest dann schon auch darauf verweisen, dass es doch richtig sei, wenn beispielsweise Bäckereien die gestiegenen Ausgaben an ihre Kund*innen weitergeben würden. Sollen sie doch Kuchen essen, wenn sie sich das Brot nicht mehr leisten können.

Das sagte natürlich niemand in der Runde, in der es auch viel um die einkommensschwache Arbeiterschicht ging, die die Politik schon unterstützen sollte. Aber der Talk entwickelte sich trotzdem mehrfach in diese Richtung. Die Filmemacherin Julia…