von Nico Fried

24.09.2022, 18:00
3 Min.

Bei seiner zweitägigen Reise durch die Golfstaaten trifft Olaf Scholz den saudischen Kronprinzen. Mohammed bin Salman soll in den Mord an einem Kritiker verwickelt sein. Der Kanzler will das nicht wortlos stehen lassen und dennoch zu einer „soliden Arbeitsbeziehung“ finden

Dies ist kein gewöhnlicher Händedruck, sieht nur so aus. Er ist kurz und fest, aber darin liegt die ganze Ambivalenz internationaler Politik, ein Kompromiss aus moralischen Werten und diplomatischen Zwängen. Mohammed bin Salman, der Kronprinz von Saudi-Arabien, begrüßt am Samstagmittag Olaf Scholz – kein normaler Staatsbesuch.

Der Mann, der nach Überzeugung des amerikanischen Geheimdienstes CIA einen barbarischen Mord in Auftrag gegeben haben soll, heißt den Bundeskanzler in der königlichen Sommerresidenz Jeddah willkommen. Scholz hatte diese Ermordung 2018 – damals noch als Finanzminister – in einem Tweet verurteilt und gefordert, die „Verantwortlichen zur Rechenschaft“ zu ziehen. Jetzt steht der mutmaßlich Hauptverantwortliche vor ihm.

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