Am Sonntag könnten die Erben des Faschismus die Wahlen in Italien gewinnen. Das Land steht vor einem Rechtsruck. Ein Besuch im Geburtsort von Benito Mussolini.

Von Claudio Rizzello

In Predappio wird eine Schaufensterscheibe ausgetauscht. Zwei Männer heben vorsichtig das neue, unversehrte Glas. Die alte Scheibe steht noch da, völlig zersprungen. Wie Lokalzeitungen berichten, wurden in der Nacht Steine dagegen geschmissen. Das Schaufenster gehört zu einem Souvenirshop auf der Hauptstraße. Der Laden ist dennoch geöffnet, an diesem sonnigen Spätsommertag, zwei Tage vor der Wahl, die über Italiens politische Zukunft entscheidet.

Drinnen können Besucher Andenken kaufen: Schlüsselanhänger, Hakenkreuz-Binden, Fahnen, Espressotassen mit dem Bild von Adolf Hitler, T-Shirts mit Baseballschlägern neben denen steht: „Der 25. April ist kein Feiertag“. Es ist der Tag, an dem Italien die Befreiung vom Faschismus und der deutschen Besatzung feiert. Souvenirs aus Predappio.

Tausende pilgern jährlich in Mussolinis Geburtsstadt

Die kleine Stadt in der Emilia-Romagna ist eine Kultstätte für Faschisten, denn hier wurde der Diktator Benito Mussolini geboren, den viele im ganzen Land bis heute verehren, als wäre nichts dabei. Jedes Jahr kommen rund 70.000 Menschen, darunter Rechtsextreme, Touristen und Nostalgiker. Sie pilgern zum „Duce“, besuchen sein Geburtshaus, die Museen und natürlich das Familiengrab.

Hier unten steht man in stickiger Luft dem in Stein gemeißelten Glatzkopf Mussolinis direkt gegenüber. Auf dem Grab liegt eine Italienfahne und darauf liegt ein Kreuz, davor stehen weiße Lilien. Im Gästebuch darf man Namen und Gedanken niederschreiben oder faschistische Leitsprüche, wenn einem danach ist, täglich kommen Menschen. Doch nicht alle Besucher dürfen die private Crypta betreten, oben auf dem Friedhof stehen ein Mann und…