Bei neuerlichen Protesten im Norden des Irans sind nach Aussage eines örtlichen Polizeichefs mehr als 730 Menschen, darunter 60 Frauen, festgenommen worden. Die Beamten hätten zahlreiche Waffen, Munition und explosive Stoffe beschlagnahmt, erklärte Asisiollah Maleki, der in der Provinz Gilan der Polizei vorsteht. Er kündigte ein hartes Durchgreifen an, wann immer die öffentliche Sicherheit bedroht sei.

Die Demonstrationen halten seit Tagen an. Die Zahl der Getöteten im gesamten Land ist nach einem Bericht des Staatsfernsehens deutlich höher als bisher angegeben. Hatten die Behörden zunächst von 17 Opfern gesprochen, ist nun von 35 Toten die Rede. Innenminister Ahmad Wahidi sagte, eine offizielle Zahl werde erst nach Abschluss der Untersuchungen bekanntgegeben. Sowohl in den Reihen der Demonstranten wie auch bei den Sicherheitskräften habe es Tote gegeben. Einige Protestierende seien erschossen worden, als sie in „hochgesicherte Einrichtungen“ hätten eindringen wollen.

Gewehrfeuer auf Demonstranten

Aktivisten der Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegens Hauptstadt Oslo gehen bereits seit Freitag von mindestens 50 Menschen aus, die bei den Protesten ihr Leben verloren. Die NGO veröffentlichte mehrere Videos, die unter anderem zeigen sollen, wie ein Uniformierter mit einem Sturmgewehr auf Menschen im Stadtzentrum von Teheran feuert.

In vielen Ländern solidarisieren sich Menschen mit den Frauen im Iran – hier im brasilianischen Sao Paolo am Freitag

Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini am Freitag vergangener Woche. Die Sittenpolizei hatte die Kurdin wegen eines angeblich nicht korrekt getragenen Kopftuchs in Gewahrsam genommen. Unter ungeklärten Umständen brach sie auf der Polizeiwache zusammen und wurde wenige Tage später im Krankenhaus für tot erklärt.

„Rasch, unabhängig, effizient“

Die kommissarische UN-Menschenrechtskommissarin Nada Al-Nashif brachte am Dienstag ihre „Beunruhigung“ über Aminis…