Für Putins Krieg
Männer um 4 Uhr morgens abgeholt, Tote einberufen – die Mobilmachung stürzt Russland in Ausnahmezustand

Wladimir Putin besucht eine Militärübung am 13. September 2022. Eine Woche später läutete er in Russland die Mobilmachung ein. 

© Sergei Savostyanov / Picture Alliance

Die Mobilmachung in Russland läuft auf Hochtouren. Die Behörden gehen ohne Rücksicht vor. Männer werden um 4 Uhr morgens in die Militärkommissariate zitiert. Menschenrechtler sprechen von eklatanten Verstößen gegen das Gesetz. Während sich an den Außengrenzen lange Staus bilden. –

Die Mobilisierung versetzt Russland in einen Ausnahmezustand. Selbst Tote erhalten Einberufungsbescheide. Auch Bürger, die nie in den Streitkräften gedient haben, werden in die Armee eingezogen – ungeachtet der Ankündigung Wladimir Putins, der seinem Volk das Gegenteil versprochen hatte. In den entferntesten Regionen Russlands werden Männer zu Tausenden zusammengetrieben und in Bussen abtransportiert. Weinende Frauen nehmen Abschied von ihren Männern. Schreiende Kinder flehen ihre Väter an, sie nicht zu verlassen. Verzweifelte Mütter sprechen Gebete für ihre Söhne. Es sind herzzerreißende Szenen, die sich in dem schockierten Russland abspielen. 

Militärkommissare erlassen über das gesamte Riesenreich hinweg einen identischen Befehl: Alle Soldaten in Reserve, die noch keinen Einberufungsbescheid bekommen haben, dürfen ihre Region nicht verlassen. Bürger, die bereits einen Mobilmachungsbefehl in den Händen halten, müssen zur vorgeschriebenen Zeit sich bei den Militärkommissariaten einfinden. 

Einen solchen Befehl erließ etwa der Militärkommissar der Region Jakutien Alexander Awdonin. Alle Bürger, die beim Militär registriert seien und keine rechtlichen Gründe für die Gewährung eines Aufschubs hätte, unterlägen der Mobilmachung, stellte er…