Kleiderdebatte mit Folgen
Im Iran bedroht das Kopftuch das Regime – denn die Frauen wollen „zwischen Schleier und Minirock frei wählen“

Die Welle des Protests schwappt auch über Irans Grenzen hinaus: Hier demonstrieren Menschen vor der iranischen Botschaft in London

© Tayfun Salci / DPA

Nach dem Tod einer 22-Jährigen im Iran machen die Menschen ihrer Wut auf den Straßen Luft. Bei den schwersten Unruhen seit Jahren geht es aber nicht nur um die Kleiderfrage.

Frauen, die öffentlich ihre Kopftücher anzünden. Männer, die Polizisten verprügeln, weil sie Demonstrationen filmen. Im Iran entlädt sich die angestaute Wut Hunderttausender Menschen auf den Straßen. Wie ein Lauffeuer breitet sich der Protest im ganzen Land nach dem Tod einer jungen Frau aus. Angst und Hoffnung liegen in der Luft, während die Staatsmacht eine Antwort vorbereitet.

In der Hauptstadt Teheran geht die Studentin Schabnam* seit Tagen auf die Straße, weil sie Veränderung will. „Ich kann rumsitzen und alles bedauern, oder ich kann etwas dagegen tun“, sagt die 25-Jährige in einem Telefoninterview. Der Tod der jungen Mahsa Ahmini im Polizeigewahrsam hatte bei ihr wie bei zahlreichen Menschen weltweit Entsetzen ausgelöst. Am Freitag vergangener Woche war die iranische Kurdin gestorben, nachdem sie wenige Tage zuvor von der Moralpolizei wegen ihres „unislamischen Kleidungsstils“ festgenommen worden war.

„Sie können nicht alle zusammenschlagen, verhaften oder töten“, sagt Schabnam. Es mache ihr Mut, gemeinsam mit anderen Menschen auf die Straße zu gehen. In vielen Städten ist mit Anbruch der Dunkelheit, wenn die Menschen auf die Straßen strömen, immer wieder der Slogan zu hören: „Wir fürchten uns nicht, wir fürchten uns nicht. Wir sind alle zusammen“ – eine Parole, die vor allem während der Demonstrationen nach der umstrittenen Präsidentenwahl 2009 populär geworden war.