2020 wird ein Fischereibeamter aus Südkorea in nordkoreanischen Gewässern getötet. Soldaten haben den Mann erschossen und verbrannt. Zwei Jahre später ist der mysteriöse Fall zum Politikum in Südkorea geworden. Es soll sich um Vertuschung von ganz oben drehen.

Es ist der 21. September 2020. Lee Dae-jun, ein Beamter des südkoreanischen Ministeriums für maritime Angelegenheiten und Fischerei, befindet sich an Bord der Mugunghwa Nr. 10, einem Fischereiinspektionsboot. Gegen 1.30 Uhr nachts verlässt er das Steuerhaus, teilt seinen Kollegen mit, er wolle Papierkram erledigen.

Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die Mugunghwa Nr. 10 etwa 1,9 Kilometer südlich der Yeonpyeong-Inseln in südkoreanischen Gewässern. Die Inseln liegen direkt an der Grenze zu Nordkorea, auf der Westseite der koreanischen Halbinsel.

Gut zehn Stunden später bemerkt die Crew, dass Lee fehlt. Es folgt eine Suchaktion – ohne Erfolg. Die südkoreanische Küstenwache wird alarmiert.

26 Stunden nachdem der 47-jährige Lee das letzte Mal gesehen wurde, entdeckt ein nordkoreanisches Schiff den Beamten rund 38 Kilometer vom Ort des Verschwindens in nordkoreanischen Gewässern. Die Nordkoreaner werfen Lee ein Seil zu, nehmen ihn aber nicht an Bord. Stattdessen verhören sie ihn, während er im Wasser treibt. Nach drei Stunden lässt der erschöpfte Beamte los. Die Nordkoreaner brauchen zwei Stunden, um ihn wieder zu finden.

Erste Behauptung: Lee floh wegen Schulden nach Nordkorea

Gegen 21.40 Uhr erschießen die Nordkoreaner den Fischereibeamten im Wasser. Minuten später übergießen sie ihn mit Benzin und zünden Lee an.

So steht es in einem Bericht der Transitional Justice Working Group (TJWG), einer südkoreanischen NGO, die sich gegen Menschenrechtsverletzungen einsetzt. Die TJWG untersucht zum Beispiel Morde…