DW: Krawalle beim Conference-League-Spiel der Kölner in Nizza, Randale beim Champions-League-Spiel der Frankfurter in Marseille. Haben wir ein neues Hooligan-Problem im europäischen Fußball?

Harald Lange: Ich würde nicht gleich von einem neuen Hooligan-Problem sprechen. Das Hooligan-Phänomen war eines der 1980er, 90er und frühen 2000 der Jahre. Jetzt haben wir es mit einem ähnlichen Phänomen zu tun: mit gewaltbereiten Fußballfans, auch aus deutschen Klubs – aber wie die beiden angeführten Spiele zeigen, insbesondere auf französischer Ebene. Die erste französische Liga hat ein massives Gewaltproblem. Es war zu erwarten, dass es auch in die UEFA-Wettbewerbe überschwappt.

Also würden Sie es eher als ein nationales Problem des französischen Fußballs und der Sicherheitsbehörden dort einstufen?

Nein, damit würde man das Problem ein Stück weit wegschieben, und das wäre nur ein Teil der Wahrheit. Fakt ist ja, dass deutsche Fans mitgemacht haben. Insbesondere in Nizza sind auch aus dem Kölner Block heraus Fans auf die Ehrentribüne gestürmt und dann weiter in Richtung der Nizza-Fans, um dort zu provozieren und auch Gewalttaten zu verüben. Vom Spiel der Eintracht in Marseille habe ich gehört, dass sich die Frankfurter Fans massiv unter Druck gesetzt und angefeindet fühlten. In Gesprächen mit mir rechtfertigten sie sich mit den Worten: „Wir haben einfach zurückgeschlagen.“ Nichtsdestotrotz haben sie sich provozieren lassen, und es gab viele unschöne Szenen, an denen sie beteiligt waren. Daraus muss man auch Konsequenzen ziehen.

Ausschreitungen vor dem Europokalspiel zwischen OGC Nizza und dem 1. FC Köln

Einige Eintracht-Fans zeigten den Hitlergruß. DFB, DFL und die deutschen Profivereine haben sich in den letzten Jahren deutlich von der rechtsextremistischen Szene distanziert. Muss man damit rechnen, dass sich das Problem von Neonazis im Stadion wieder verschärft?

Soweit ich weiß, fielen zwei Frankfurter Fans auf diese Art auf. Einer von ihnen meldete…