Anfang Juli sorgte der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz für Schlagzeilen in den deutschen Medien. Diesmal aber nicht aus politischen Gründen: Zur Hochzeit von Finanzminister Christian Lindner (FDP) auf der Nordseeinsel Sylt flog der Vorsitzende der christdemokratischen Partei mit seinem silbernen Kleinflugzeug an. Es war ein Auftritt, das dem Image des 67-Jährigen als konservativen Kapitalisten entsprach. Als jemanden, der die Früchte seiner temporären Karriere als Lobbyist für multinationale Investmentfonds genießt.

Doch auf dem Parteitag der CDU an diesem Freitag und Samstag in Hannover wird er festen Grund unter den Füßen brauchen. Es ist nicht die Zeit abzuheben, denn die Probleme vor denen nicht nur die Bundesregierung, sondern auch die größte Oppositionspartei steht, sind immens: Deutschland sieht sich wegen der Folgen des Krieges um die Ukraine einer ungeahnten Energie- und Lebenshaltungskostenkrise konfrontiert. Ganz zu schweigen von einem Sommer mit beispiellosen Dürreperioden und Waldbränden,die durch den Klimawandel verursacht wurden.

Die Konservativen im Höhenflug

Das waren sicherlich Gründe, warum Merz in den letzten Interviews darauf bedacht war, auf der richtigen Seite der Umweltdebatte zu stehen: Er behauptete, sein kleines Propellerflugzeug verbrauche weniger Benzin als das Regierungsauto des Bundeskanzlers (was von Faktenprüfern bestritten wurde). Ob wahr oder nicht, es passt zur Botschaft, die die CDU in jüngster Zeit sendet: Ökologische Zugeständnisse bedeuten nicht automatisch Verzicht für Besserverdienende.

Hendrik Wüst (l.) und Daniel Günther (r.) feierten bei den Landtagswahlen in diesem Jahr erdrutschartige Siege

Die Episode mit dem Privatflugzeug und Merz‘ Bemühen um einen Imagewechsel verdeutlicht vielleicht auch, dass die CDU nach dem Weg sucht, den sie als Oppositionspartei in der Nach-Merkel-Ära gehen will. Es ist eine ungewohnte Situation für die Konservativen, die mit Abstand erfolgreichste Partei der deutschen…