Mode
Bunte Stoffe, grüne Inseln: Harris-Tweed belebt die Hebriden

Ein Mann arbeitet in der Fabrik Uist Wool in Grimsay. Foto

© Benedikt von Imhoff/dpa

Die Äußeren Hebriden kennt wohl kaum jemand in Deutschland – aber was dort hergestellt wird, ist weltbekannt. Harris-Tweed heißt der Stoff, der die schottischen Inseln zusammenhält.

Nicht einmal eine Sekunde lang darf Iain Martin den Blick abwenden. Sonst müsste er bei seinem filigranen Handwerk wohl von vorne anfangen. Sorgfalt und Genauigkeit sind gefragt, wenn Martin in seiner kleinen Werkstatt die Spindel einlegt. Faden für Faden webt er ein, und langsam entstehen die charakteristischen bunten Karos, für die Martins Heimat bekannt ist: Harris-Tweed. Für die Äußeren Hebriden, einen Archipel im äußersten Nordwesten Großbritanniens, ist es mehr als ein Stoff. Harris-Tweed treibt die Wirtschaft auf den schottischen Inseln an und hält die Gesellschaft in der abgelegenen Region zusammen.

Knapp zwei Millionen Meter Stoff stellen die Äußeren Hebriden jedes Jahr her. „Das fühlt sich gut und richtig an“, erzählt Lorna Macaulay, die Chefin des Branchenverbands Harris Tweed Authority (HTA). Denn die Umstände setzen dem Geschäft Grenzen. Nur solcher Stoff darf sich Harris-Tweed nennen, der im Haus eines Webers aus reiner Schurwolle gewoben sowie auf den Äußeren Hebriden gefärbt und versponnen wurde. So hat es das britische Parlament 1993 per Gesetz festgelegt. Ob in Stornoway oder eine halbe Fahrtstunde weiter bei Iain Martin: Sie sind stolz auf dieses Alleinstellungsmerkmal. Der Verband prüft die Herstellung und bestätigt die Echtheit, indem das Markenzeichen, ein Reichsapfel, aufgedruckt wird.

Die meisten der insgesamt 200 Weber arbeiten im Auftrag von Fabriken, die ebenfalls auf den Äußeren Hebriden ihren Sitz haben. Aber Iain Martin und ein paar Dutzend andere sind ihre eigenen Chefs. Die…