Eine Stunde lang schildert Chaim Golani per Video-Schalte aus Israel seine Erinnerungen an das deutsche Konzentrationslager in der Nähe von Danzig. Das stundenlang Appell-Stehen in der Dezemberkälte. Die Angst davor, von SS-Männern verprügelt und ausgepeitscht zu werden. Die Schale dünner Brühe und das Stück Brot, das Häftlinge als Tagesmahlzeit erhielten. Golani war damals 13 Jahre jung und Stutthof bereits sein drittes Lager. Seine Familie sollte er bis auf seinen Vater nie wieder sehen. Sie wurden in Litauen von den Deutschen ermordet. 

Sklavenarbeit im Krematorium des KZs  

Besonders erdrückend für die Mithörenden im Landgericht Itzehoe waren Golanis Erinnerungen aus dem Herzen der „Tötungsmaschinerie“ Stutthof. Bereits wenige Wochen nach seiner Ankunft im Dezember 1943 wurde er zur Sklavenarbeit im Krematorium des KZs gezwungen. Dort musste er die Leichen anderer Häftlinge auf Wertgegenstände durchsuchen, ihre Schuhe abnehmen und sortieren.

„Den Gestank kann man sich nicht vorstellen, es war so schrecklich“, sagt er, greift nach einem Taschentuch. Auf die Frage der Staatsanwältin, ob er noch Wunden aus dieser Zeit trage, antwortet er: „Körperlich nicht, zum Glück. Aber meine ganze Seele ist eine Wunde.“  

Hilfe bei systematischer Tötung 

Zu der Zeit war die damals 18-jährige Irmgard F. in Stutthof im Dienst. Sie war die Sekretärin des Lagerkommandanten Paul-Werner Hoppe und steht deshalb seit Oktober 2021 vor Gericht. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll sie „in ihrer Funktion als Stenotypistin und Schreibkraft […] Verantwortlichen des Lagers bei der systematischen Tötung von dort Inhaftierten Hilfe geleistet haben“. Über ihren Schreibtisch sollen auch Befehle von Exekutionen und Fernschreiben über Deportationen aus Warschau nach Stutthof oder aus Stutthof nach Auschwitz-Birkenau gegangen sein.  

Die Angeklagte Irmgard F. wird zu Beginn des Prozesstages in den Gerichtssaal gebracht

Von der Tötungsmaschinerie, der in…