Israelis blicken positiver auf Deutschland als die Deutschen auf Israel. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung zu den Beziehungen zwischen beiden Ländern. Demnach haben 63 Prozent der Menschen in Israel eine gute Meinung über Deutschland, 19 Prozent sehen die Bundesrepublik negativ – wohingegen nur 46 Prozent der deutschen Befragten positiv auf Israel blicken. Mehr als ein Drittel hat eine „ziemlich schlechte“ oder „sehr schlechte“ Meinung von dem Land.

Bei der Bewertung der jeweils anderen Regierung gibt es ebenfalls deutliche Abweichungen: 55 Prozent der Israelis, aber nur 24 Prozent der Deutschen beurteilen diese positiv. Unterschiedlich ist auch die Sicht auf eine aus der nationalsozialistischen Vergangenheit abgeleitete besondere Verantwortung Deutschlands für Israel, die in der Bundesrepublik nur 27 Prozent befürworten – gegenüber 57 Prozent der Israelis.

„Nie wieder Krieg“ vs. „Nie wieder Opfer“

61 Prozent der Befragten in Israel erhoffen sich von der Bundesregierung eine „einseitige politische Unterstützung“ ihrer Position im israelisch-palästinensischen Konflikt. Allerdings teilen nur zwölf Prozent der Befragten in Deutschland diese Haltung. Während 64 Prozent in Deutschland sich überzeugt zeigen, dass beide Seiten in diesem Konflikt zu gleichen Teilen nachgeben müssten, sehen 55 Prozent in Israel die palästinensische Seite in der Verantwortung.

Erinnerung wachhalten: Schüler in Oldenburg gedenken der Reichspogromnacht vom November 1938 (Archivbild)

Die Unterschiede in der gegenseitigen Wahrnehmung von Deutschen und Israelis seien auch das Ergebnis unterschiedlicher Sicherheitslagen und politischer Kulturen, erklärte Stephan Vogel, Israel-Experte der Bertelsmann-Stiftung. „Für die allermeisten Deutschen gilt weiter die Maxime: ‚Nie wieder Krieg.'“ Für die Israelis heiße es: „Nie wieder Opfer.“

„Holocaust als historischer Bezugspunkt“

„Deutsch-israelische Beziehungen im 21. Jahrhundert haben nach wie vor die…