Meinung

Kritik an Zitat
Baerbock gegen das Internet, oder: Wenn sich beide Seiten nicht mit Ruhm bekleckern

Annalena Baerbock steht wegen einer Äußerung zum Ukraine-Krieg und „meinen deutschen Wählern“ in der Kritik

© Bodo Schackow / DPA

02.09.2022, 14:19
3 Min. Lesezeit

Außenministerin Annalena Baerbock äußert sich unglücklich und auf Twitter dreht man frei. Doch auch beim Auswärtigen Amt wird die Situation deutlich unsouveräner gehandhabt, als das nötig wäre.

Auf Twitter wird der Rücktritt von Außenministerin Annalena Baerbock gefordert, der Hashtag dazu ist zum Zeitpunkt dieses Textes sogar Toptrend in Deutschland vor #Außenministerin und #Hochverrat auf Platz vier. Das Auswärtige Amt auf der anderen Seite spricht von russischer Desinformation. Und wie so oft dieser Tage wird auf beiden Seiten zu heiß gekocht. Aber der Reihe nach.

Baerbock war am Mittwoch auf einer Podiumsdiskussion in Prag und sprach dort über den Ukraine-Krieg. In den sozialen Netzwerken wird ihr nun vor allem folgender, von ihr auf englisch vorgetragener Satz um die Ohren gehauen: „Wenn ich den Menschen in der Ukraine das Versprechen gebe, wir stehen euch bei, solange ihr uns braucht, dann möchte ich mich daran halten, ganz egal, was meine deutschen Wähler denken, aber ich möchte mich an das halten, was ich den Menschen in der Ukraine versprochen habe.“ Einmal auch im englischen Original: „If I give the promise to people in Ukraine, we stand with you as long as you need us, then I want to deliver, no matter what my German voters think, but I want to deliver to the people of Ukraine.“ 

Ein Ausschnitt von der Veranstaltung, der eben diesen Satz zeigt, wurde tausendfach via Twitter verbreitet, auch von Accounts, die sich im Ukraine-Konflikt auf der russischen Seite der Argumentation befinden. Deutsche Geheimdienste gehen davon aus, dass Russland unter…