Umwelt
Nie mehr „Köttelbecke“: Die Emscher darf wieder Fluss sein

Blick auf die renaturierte Emscher bei Castrop-Rauxel. Foto

© Rolf Vennenbernd/dpa

Was gnadenloser Umgang mit der Natur bedeutet, ließ sich gut an der Emscher im Ruhrgebiet studieren: Über 170 Jahre lang wurde sie als Abwasserfluss missbraucht. Mehr als 5,5 Milliarden Euro nahm der Staat in die Hand, um das zu ändern.

Hans-Peter Schmidt kann sich noch gut an die stinkende Emscher erinnern. „Als Kinder haben wir das nicht so empfunden. Aber die Mutter hat im Sommer nachts oft die Fenster zugemacht, weil da so ein beißender Geruch kam“, erzählt der 67-Jährige, der am Donnerstagmorgen zufällig zu Fuß eine Emscherbrücke in Castrop-Rauxel überquert.

Schmidt wohnt immer noch in Emschernähe. Doch aus dem einstigen Abwasserfluss ist mittlerweile ein (fast) normales Fließgewässer geworden. Seit Jahresbeginn wird an keiner Stelle mehr Abwasser in Deutschlands einst dreckigsten Fluss geleitet. Der Dreck fließt jetzt durch ein neues Abwassersystem, dessen Bau 30 Jahre dauerte. Am Donnerstag wurde der Abschluss dieses sogenannten Emscher-Umbaus groß gefeiert.

Scolz: „Beleg für innovative deutsche Ingenieurskunst“

Sogar Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ist gekommen. Der Umbau sei das „weltweit größte Renaturierungsprojekt“, sagt er und „ein großartiger Beleg für innovative deutsche Ingenieurskunst“. Der Umbau kostete mehr als 5,5 Milliarden Euro, für Scholz „eine großartige Investition in bessere Lebensqualität“. Der SPD-Politiker betont: „Zum Erfolg gehört allerdings auch, dass die Emschergenossenschaft dieses gesamte riesige Infrastrukturvorhaben pünktlich und im Rahmen der veranschlagten Kosten zu einem guten Ende geführt hat. Wir sehen daran: It can be done. Auch in dieser Hinsicht ist der Emscher-Umbau ein echtes Vorbild.“